Im Handbuch steht F7, im Regal liegt ein Filter mit der Aufschrift ISO ePM1 50 %. Du willst nur wissen, ob das dasselbe ist. Im Netz findest du Tabellen, die genau das behaupten – und ein paar Klicks weiter eine Verbandsangabe, die etwas anderes sagt. Dieser Artikel zeigt dir beide Tabellen, benennt den Widerspruch zwischen ihnen und erklärt, warum es die saubere Umrechnung, die du suchst, schlicht nicht gibt.
- Eine offizielle Umrechnung existiert nicht. FGK, VDMA, MANN+HUMMEL und Zehnder sagen das unabhängig voneinander.
- Der Fachverband FGK nennt Orientierungswerte: F7 entspricht demnach ePM1 ab 50 Prozent, F8 ePM1 ab 70 Prozent, F9 ePM1 ab 80 Prozent.
- Der VDMA nennt aus Vergleichstests für F7 Bandbreiten: ePM2,5 50 bis 75 Prozent und ePM1 40 bis 65 Prozent – die untere Grenze liegt unter dem FGK-Wert.
- REHVA sagt zu solchen Tabellen, sie könnten nur als grobe Orientierung dienen.
- Der Grund für die Lücke ist methodisch: alt wurde bei einer Partikelgröße gemessen, neu bei zwölf.
Die kurze Antwort
Es gibt keine gültige Umrechnung von EN-779-Klassen in ISO-16890-Gruppen. Das ist keine Meinung dieser Seite, sondern die übereinstimmende Aussage von vier unabhängigen Quellen. Der Fachverband FGK schreibt, eine einfache begründete Übersetzung von alten auf neue Klassen scheitere aufgrund der unterschiedlichen Bewertungsmethodik. Der VDMA formuliert, wegen der unterschiedlichen Mess- und Bewertungsverfahren könnten die Filterklassen der DIN EN 779 nicht unmittelbar in das Bewertungsschema der DIN EN ISO 16890-Gruppen übernommen werden. MANN+HUMMEL nennt einen direkten Vergleich zwischen alten Klassen und neuen Gruppen nicht möglich. Zehnder begründet das damit, dass der neue Standard von der individuellen Beschaffenheit eines Filters abhängt.
Trotzdem kursieren Tabellen. Manche stammen sogar von einem Verband. Sie sind nicht wertlos – sie helfen dir, dich im Regal zu orientieren. Aber sie sind keine Umrechnung, sondern eine Näherung, und zwei Verbände kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Genau diesen Konflikt zeigen wir dir unten, statt eine der beiden Zahlenreihen auszuwählen und die andere wegzulassen.
Wenn du eine einzige praktische Regel mitnehmen willst: Kauf nach der Angabe, die dein Gerätehersteller nennt. Steht in deiner Unterlage F7, ist ein Filter mit F7-Aufdruck die konfliktärmste Wahl. Steht dort eine ISO-Gruppe, nimm die ISO-Gruppe. Selbst umrechnen ist der Schritt, den du vermeiden kannst – und laut Quellenlage auch vermeiden solltest.
Wie es wirklich funktioniert
Warum die Übersetzung methodisch scheitert
Die alte Norm EN 779 hat laut Zehnder die Filtereigenschaften nur für die Partikelgröße 0,4 Mikrometer gemessen. MANN+HUMMEL stellt dem gegenüber, dass ISO 16890 zwölf verschiedene Partikelgrößen von 0,3 bis 10 Mikrometer prüft. Aus einem einzigen Messpunkt lässt sich keine Kurve rekonstruieren. Zwei Filter, die bei 0,4 Mikrometer denselben Wert liefern, können sich bei 1 und bei 5 Mikrometer unterschiedlich verhalten – und genau diese Unterschiede entscheiden über die ISO-Einstufung.
Dazu kommt ein zweiter Unterschied, der weniger bekannt ist. ISO 16890 prüft im konditionierten Zustand: Der Filter wird mit Isopropanol behandelt und dabei elektrostatisch entladen. Ein Fachportal hält fest, dass die 50-Prozent-Schwelle für diesen entladenen Zustand gilt, ausdrücklich um Manipulationen durch elektrostatische Aufladung zu verhindern. Filtermedien, die stark auf Elektrostatik setzen, schneiden im neuen Verfahren also anders ab als im alten. Zwei Medien mit gleicher alter Klasse können nach der Entladung weit auseinanderliegen. Die Systematik der neuen Norm steht ausführlich im Beitrag zu den Filterklassen nach ISO 16890.
Tabelle 1: die Orientierungswerte des Fachverbands FGK
Der Fachverband FGK nennt trotz seiner eigenen Warnung eine Zuordnung. Sie ist als Orientierung zu lesen, nicht als Umrechnung:
| Klasse nach EN 779 | FGK-Orientierung nach ISO 16890 |
|---|---|
| M5 | ePM10 ≥ 50 % |
| M6 | ePM2,5 ≥ 50 % |
| F7 | ePM1 ≥ 50 % |
| F8 | ePM1 ≥ 70 % |
| F9 | ePM1 ≥ 80 % |
Diese Tabelle liest sich sauber. Sie ist als Untergrenze formuliert – „mindestens so viel“ – und deckt genau die Klassen ab, die in der Wohnungslüftung vorkommen. Sie ist der Grund, warum du im Handel Verpackungen mit „F7 / ISO ePM1 50 %“ findest.
Tabelle 2: die Bandbreiten aus dem VDMA-Dokument
Der VDMA geht anders vor. Statt eines Punktwerts nennt er aus Vergleichstests Bandbreiten. Für F7 werden dort ePM2,5 von 50 bis 75 Prozent und ePM1 von 40 bis 65 Prozent genannt:
| Quelle | Aussage zu F7 | Form der Angabe |
|---|---|---|
| FGK | ePM1 ≥ 50 % | Punktwert als Untergrenze |
| VDMA | ePM2,5 50 bis 75 %, ePM1 40 bis 65 % | Bandbreite aus Vergleichstests |
Hier liegt der Widerspruch. Die untere Grenze der VDMA-Bandbreite für ePM1 liegt bei 40 Prozent – also unterhalb der 50 Prozent, die die FGK-Orientierung als Untergrenze setzt. Nach der FGK-Tabelle wäre jeder F7-Filter mindestens ein ePM1-50-Prozent-Filter. Nach den VDMA-Werten gibt es F7-Filter, die diese Schwelle nicht erreichen und damit nach der neuen Systematik gar nicht in der ePM1-Gruppe landen würden, sondern eine Stufe darunter.
Beide Angaben stammen von Verbänden. Keine ist eine Norm. Und sie widersprechen sich nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil sie verschiedene Dinge tun: Die FGK-Tabelle ordnet zu, der VDMA berichtet Messergebnisse. Wenn reale Filter derselben alten Klasse zwischen 40 und 65 Prozent streuen, dann ist jede Zuordnung auf einen Punktwert eine Vereinfachung. REHVA sagt dazu, solche Tabellen könnten nur als grobe Orientierung dienen – das ist die ehrlichste Formulierung, die uns vorliegt.
Was Eurovent 4/23 dazu beiträgt
Häufig wird auf Eurovent 4/23 verwiesen, aktuell in der vierten Ausgabe von 2022. Das ist eine Auswahlempfehlung für Filter, keine Umrechnungsnorm. Der Inhalt steht hinter einer Bezahlschranke; uns liegt daher keine belegte Angabe zu den dort genannten Werten vor. Wir geben deshalb keine Eurovent-Tabelle wieder, auch nicht aus zweiter Hand.
Was belegt ist – und was nicht
Gut belegt. Die vier Aussagen zur Unmöglichkeit einer direkten Übersetzung stammen von FGK, VDMA, MANN+HUMMEL und Zehnder – zwei Verbände, zwei Hersteller. Die FGK-Orientierungstabelle stammt vom Fachverband FGK. Die Bandbreiten ePM2,5 50 bis 75 Prozent und ePM1 40 bis 65 Prozent für F7 stammen aus dem VDMA-Dokument und werden dort auf Vergleichstests zurückgeführt. Die Einordnung, dass solche Tabellen nur als grobe Orientierung dienen können, stammt von REHVA. Dass Eurovent 4/23 eine Auswahlempfehlung ist, ist belegt.
Schwächer belegt. Die Begründung über die elektrostatische Konditionierung stammt aus einem Fachportal, ebenso die Zuordnungsregel über die kleinste Fraktion mit mindestens 50 Prozent. Beides ist in der Branche unstrittig, aber kein Normzitat.
Nicht belegt. Wir haben weder den Text der EN 779 noch den der ISO 16890 vorliegen. Beide sind kostenpflichtig. Alle Angaben zu ihrem Inhalt stammen aus Sekundärquellen. Der Inhalt von Eurovent 4/23 liegt uns nicht vor. Und wir haben keine Quelle gefunden, die den Widerspruch zwischen FGK-Punktwert und VDMA-Bandbreite auflöst – wir können dir also nicht sagen, welche der beiden Angaben für deinen konkreten Filter näher an der Wahrheit liegt.
Das ist unbefriedigend, aber es ist die vorhandene Lage. Wer dir eine Tabelle als „die offizielle Umrechnung“ verkauft, hat entweder eine Quelle, die wir nicht kennen, oder er nennt eine Näherung beim falschen Namen.
Für alle, deren Gerätehandbuch die alte Klasse nennt und die trotzdem eine nach heutigem Verfahren geprüfte Angabe sehen wollen. Prüfe vor dem Kauf, ob neben der alten Klasse tatsächlich eine ISO-Gruppe mit Prozentzahl steht – erst diese Kombination erlaubt dir einen Vergleich mit anderen Angeboten. Steht nur die alte Klasse da, weißt du über das Medium wenig.
Was das für dich heißt
Erstens: Umrechnen ist der letzte Ausweg, nicht der erste Schritt. Die Reihenfolge, die dir Ärger erspart, lautet: Gerätehandbuch prüfen, Originalfilter identifizieren, danach kaufen. Erst wenn dein bisheriger Filter nicht mehr lieferbar ist, brauchst du überhaupt eine Übersetzung.
Zweitens: Wenn du übersetzen musst, nimm die Näherung nach oben. Angesichts der VDMA-Bandbreite ist ein F7-Filter nicht garantiert ein ePM1-50-Prozent-Filter. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt beim Wechsel ins neue System die Gruppe, die dein Gerätehersteller freigibt, und innerhalb dieser Gruppe eine Prozentzahl an der oberen statt an der unteren Kante. Bedenke dabei, dass ein feineres Medium in der Regel mehr Widerstand erzeugt – was das im Betrieb bedeutet, steht im Beitrag zum Druckverlust.
Drittens: Frag beim Gerätehersteller nach, nicht beim Filterhändler. Die Auskunft, welche ISO-Gruppe für deine Anlage vorgesehen ist, kann nur der geben, der die Anlage ausgelegt hat. Zehnder begründet die fehlende Übersetzbarkeit ausdrücklich mit der individuellen Beschaffenheit des einzelnen Filters – das spricht dafür, die Frage produktbezogen zu stellen und nicht allgemein.
Viertens: Sei bei Zuschnittware besonders genau. Anbieter von Meterware und Sonderformaten führen ihre Klassen häufig doppelt, also alt und neu nebeneinander. Diese Zuordnung ist eine Händlerangabe. Sie mag stimmen, belegt ist sie nicht. Was beim Zuschnitt sonst zu beachten ist, steht unter Filter selbst zuschneiden und Filtermeterware.
Fünftens: Verlass dich nicht auf die Prozentzahl allein. Ohne Gruppenangabe ist eine Prozentzahl bedeutungslos, und Gruppen lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Was die drei Gruppen im Einzelnen bedeuten, steht im Beitrag zu ePM1, ePM2,5 und ePM10; woher die alten Buchstaben stammen, im Beitrag zu G4 und F7.
Für alle, deren Filtermaß es als Fertigteil nicht mehr gibt und die deshalb auf Zuschnitt ausweichen. Prüfe vor dem Kauf, ob der Anbieter die Klasse überhaupt angibt und in welchem System – manche nennen nur die alte Klasse, manche beide. Ob dein Gerätehersteller Zuschnittware zulässt, ist eine getrennte Frage, zu der uns keine Herstellerangabe vorliegt.
Häufige Fragen
Kann ich einen F7-Filter einfach durch ISO ePM1 50 % ersetzen?
Nach der FGK-Orientierung wäre das die passende Entsprechung. Nach den VDMA-Bandbreiten ist es nicht gesichert, weil reale F7-Filter dort mit ePM1-Werten von 40 bis 65 Prozent auftauchen. Beide Angaben stammen von Verbänden, keine ist verbindlich. Verlässlich ist nur die Freigabe deines Geräteherstellers.
Warum veröffentlicht die FGK eine Tabelle und sagt gleichzeitig, es gehe nicht?
Weil beides zusammenpasst, wenn man die Tabelle als Orientierung liest. Eine Zuordnung, die den Einkauf erleichtert, ist etwas anderes als eine Umrechnung, die für jedes Produkt gilt. REHVA formuliert dieselbe Trennung, indem es solchen Tabellen ausdrücklich nur den Rang einer groben Orientierung zubilligt.
Gibt es eine Umrechnung in die andere Richtung, von ISO nach EN 779?
Uns liegt keine vor. Die Argumente gelten symmetrisch: Aus zwölf Messpunkten lässt sich der eine alte Messpunkt nicht zurückrechnen, und die elektrostatische Konditionierung hat im alten Verfahren kein Gegenstück. Wir kennen keine Quelle, die diese Richtung belegt.
Muss ich meinen alten Filter jetzt austauschen, weil die Norm abgelöst ist?
Nein. Die Ablösung betrifft die Prüfung und Kennzeichnung von Filtern, nicht den Betrieb bestehender Anlagen. Laut VDMA endete die Koexistenzperiode am 30. Juni 2018. Für den eingebauten Filter in deinem Gerät folgt daraus keine Frist – die Standzeit richtet sich nach Verschmutzung und Herstellerangabe, nicht nach dem Normstand.
Fazit
Es gibt keine offizielle Umrechnung, und die beiden am häufigsten zitierten Verbandsangaben widersprechen sich: Die FGK ordnet F7 dem Bereich ePM1 ab 50 Prozent zu, der VDMA berichtet aus Vergleichstests Werte von 40 bis 65 Prozent für dieselbe alte Klasse.
Nimm beide als das, was sie sind – Orientierungen für den Einkauf. Die belastbare Auskunft für dein Gerät kommt nicht aus einer Tabelle, sondern vom Hersteller deiner Anlage. Alles andere ist eine Schätzung mit Verbandslogo.
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