Auf dem Filter steht ePM1, in den Nachrichten ist von PM10 die Rede, und dein Luftmessgerät zeigt PM2,5 an. Drei Angaben, die offensichtlich zusammengehören und trotzdem aus zwei völlig verschiedenen Welten stammen. Dieser Artikel trennt sie sauber: Was die Filternorm mit ePM1, ePM2,5 und ePM10 meint, was das Umweltbundesamt unter PM10 und PM2,5 versteht – und warum es zu PM1 gar keine amtliche Definition gibt.
- PM10 und PM2,5 sind amtliche Größen. Das Umweltbundesamt definiert sie über den aerodynamischen Durchmesser von 10 beziehungsweise 2,5 Mikrometer.
- PM1 ist keine amtliche Messgröße des Umweltbundesamts. Die Fraktion existiert für uns nur als Filternormgröße nach ISO 16890.
- Das „e“ in ePM1 steht für Effizienz: Es beschreibt die Leistung eines Filters gegenüber dieser Fraktion, nicht die Fraktion selbst.
- Auch die amtliche Messung arbeitet mit einer Schwelle: Der Messeinlass hat bei 10 und bei 2,5 Mikrometer eine Abscheidewirksamkeit von 50 Prozent.
- Die FGK-Arbeitsgruppe Raumklimawirkung empfiehlt in der Zuluft mindestens eine Filterstufe ePM1.
Die kurze Antwort
PM steht für Particulate Matter, also Schwebstaub. Das Umweltbundesamt beschreibt damit Teilchen in der Luft, die nicht sofort zu Boden sinken. Die Zahl dahinter nennt eine Obergrenze für den aerodynamischen Durchmesser. PM10 umfasst alle Staubpartikel, deren aerodynamischer Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer ist; das Umweltbundesamt hält fest, dass im Allgemeinen diese PM10-Fraktion als Feinstaub bezeichnet wird. PM2,5 ist eine Teilmenge davon, mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer.
ePM1, ePM2,5 und ePM10 sind dagegen keine Staubfraktionen, sondern Filterklassen nach ISO 16890. Der Buchstabe „e“ steht für Effizienz. „ISO ePM1 60 %“ heißt: Von den Partikeln der Fraktion PM1 hält dieser Filter rund 60 Prozent zurück. Die Fraktion ist der Gegner, das „e“ mit der Prozentzahl ist das Ergebnis.
Und dann ist da die Lücke, die den Rest des Artikels trägt: PM1 ist beim Umweltbundesamt keine amtliche Messgröße. Es gibt für PM10 und PM2,5 Definitionen, Messvorschriften und Grenzwerte, für die Fraktion unter 1 Mikrometer in dieser Systematik nicht. Sie existiert in unseren Quellen ausschließlich als Bezugsgröße der Filternorm. Wer dir eine amtliche PM1-Zahl präsentiert, sollte erklären, woher sie kommt.
Wie es wirklich funktioniert
Die amtliche Seite: was das Umweltbundesamt definiert
Die Definitionen des Umweltbundesamts sind knapp und präzise. PM10 sind alle Staubpartikel unter 10 Mikrometer aerodynamischem Durchmesser. PM2,5 ist die Teilmenge davon unter 2,5 Mikrometer. Der Bereich zwischen 2,5 und 10 Mikrometer heißt Grobfraktion. Als ultrafein gelten Partikel mit weniger als 0,1 Mikrometer.
Wichtig ist das Wort „aerodynamisch“. Gemeint ist nicht, wie groß ein Teilchen unter dem Mikroskop aussieht, sondern wie es sich in Luft verhält – ein längliches, leichtes Teilchen kann sich wie eine kleinere Kugel verhalten. Diese Definition macht die Größenangabe messbar, ohne dass jemand Partikel ausmessen müsste.
Auch die amtliche Messung arbeitet nicht mit einer scharfen Kante. Das Umweltbundesamt beschreibt, dass der Einlass für einen aerodynamischen Durchmesser von 10 beziehungsweise 2,5 Mikrometer eine Abscheidewirksamkeit von 50 Prozent hat. Bei genau dieser Größe geht also die Hälfte der Teilchen durch und die Hälfte nicht. Größere Teilchen werden überwiegend abgeschieden, kleinere überwiegend durchgelassen. Wer hier eine Trennlinie erwartet, bekommt eine Wahrscheinlichkeitskurve.
Das ist bemerkenswert, weil auch die Filternorm bei 50 Prozent arbeitet. Zufall ist das nicht: Beide Systeme müssen mit derselben physikalischen Unschärfe umgehen. Was Feinstaub im Wohnbereich überhaupt bedeutet, ordnet der Beitrag zu Feinstaub im Haushalt ein.
Die Filterseite: wie aus einer Fraktion eine Klasse wird
ISO 16890 kennt vier Gruppen: ISO Coarse für Grobstaub über 10 Mikrometer ohne Mindestvorgabe sowie ISO ePM10, ISO ePM2,5 und ISO ePM1 mit Wirkungsgraden im Bereich von 50 bis 95 Prozent. Diese Aufstellung stammt aus einem Fachportal, ist im Handel aber durchgängig so zu finden.
Die Zuordnung folgt einer Regel, die dasselbe Fachportal so formuliert: Die Filtergruppe beziehungsweise -klasse ergibt sich aus der kleinsten Partikelgrößengruppe, die zu mindestens 50 Prozent ausgefiltert wird. Camfil rechnet ein Beispiel vor: 63 Prozent bei PM1, 70 Prozent bei PM2,5 und 91 Prozent bei PM10 ergeben die Einstufung ePM1 60 Prozent, weil auf 5-Prozent-Schritte abgerundet wird.
An diesem Beispiel siehst du eine Eigenschaft, die viele überrascht: Ein Filter hat immer alle drei Werte. Er ist nicht „ein ePM1-Filter“ im Sinne von „er kann nur PM1″, sondern er wird nach der feinsten Fraktion benannt, bei der er die Schwelle reißt. Ein ePM1-Filter ist bei PM10 zwangsläufig besser als bei PM1. Auf dem Etikett steht trotzdem nur der schwerste bestandene Test.
| Angabe | Was sie beschreibt | Herkunft |
|---|---|---|
| PM10 | Staubfraktion unter 10 µm aerodynamischem Durchmesser | Umweltbundesamt, amtliche Definition |
| PM2,5 | Teilmenge der PM10-Fraktion unter 2,5 µm | Umweltbundesamt, amtliche Definition |
| PM1 | Bezugsfraktion der Filternorm | keine amtliche Messgröße des Umweltbundesamts |
| ePM10 / ePM2,5 / ePM1 | Wirkungsgrad eines Filters gegenüber der jeweiligen Fraktion | ISO 16890, Klassifizierung |
Der Punkt, an dem die Filternorm ehrlicher wird als erwartet
Filtermedien aus Kunststofffasern tragen häufig eine elektrostatische Ladung, die Partikel anzieht und im Betrieb nachlässt. ISO 16890 begegnet dem mit einer Konditionierung: Der Filter wird mit Isopropanol behandelt und dadurch entladen, bevor gemessen wird. Ein Fachportal hält ausdrücklich fest, dass die 50-Prozent-Schwelle für den konditionierten, also entladenen Zustand gilt, und zwar um Manipulationen durch elektrostatische Aufladung zu verhindern.
Für die ePM-Werte auf deiner Packung heißt das: Sie beschreiben nicht den Auslieferungszustand mit voller Ladung, sondern das, was das Medium mechanisch kann. Das ist genau der Grund, warum ein Vergleich zwischen zwei ISO-Filtern belastbarer ist als der Vergleich zweier Filter aus der alten Norm – dort wurde nur bei 0,4 Mikrometer gemessen, wie im Beitrag zu G4 und F7 ausgeführt.
Was belegt ist – und was nicht
Gut belegt. Alle Angaben zu PM10, PM2,5, zur Grobfraktion, zu ultrafeinen Partikeln unter 0,1 Mikrometer und zur 50-Prozent-Abscheidewirksamkeit des Messeinlasses stammen vom Umweltbundesamt, also von einer Behörde. Das Rechenbeispiel mit der Abrundung auf 5-Prozent-Schritte stammt von Camfil, einem Filterhersteller. Die FGK-Empfehlung einer Filterstufe ePM1 in der Zuluft stammt vom Fachverband selbst.
Schwächer belegt. Die Aufzählung der vier ISO-Gruppen mit dem Band 50 bis 95 Prozent, die Zuordnungsregel über die kleinste Fraktion und die Begründung der Konditionierung stammen aus einem Fachportal. Die Angabe, dass windbestäubte Pflanzenpollen bis zu 60 Mikrometer groß werden, stammt von einem Allergieinformationsdienst; artspezifische Pollengrößen für Birke, Gräser oder Beifuß konnten wir nicht belegen und nennen deshalb keine.
Nicht belegt – und das ist der Kern. PM1 ist keine amtliche Messgröße des Umweltbundesamts. Wir haben dafür keine Definition, keine Messvorschrift und keinen Grenzwert gefunden. Die Fraktion existiert in unseren Quellen ausschließlich als Bezugsgröße der Filternorm ISO 16890. Das ist keine Nebensächlichkeit: Wenn ein Gerät oder ein Werbetext einen PM1-Wert nennt, gibt es dafür in der amtlichen Systematik nichts, woran du ihn messen könntest. Für PM10 und PM2,5 gibt es dieses Gegenstück, für PM1 nicht.
Ebenfalls nicht belegt: Wir machen keine Aussage darüber, was eine bestimmte Filterklasse für deine Gesundheit bedeutet. Zu Feinstaub und Filterklassen liegen uns Definitionen und Klassifizierungen vor – Wirkungsaussagen gehören nicht dazu, und wir erfinden sie nicht.
Für alle, die auf der Außenluftseite ihrer Wohnungslüftung die feinste der drei Fraktionen adressieren wollen. Prüfe vor dem Kauf zweierlei: ob dein Gerätehersteller diese Stufe für deine Anlage vorsieht, und ob neben der Gruppenangabe auch eine Prozentzahl genannt ist. Eine Gruppe ohne Prozentzahl ist keine vollständige Klassenangabe.
Was das für dich heißt
Erstens: Halte die beiden Welten auseinander. Wenn du eine Zahl siehst, frag dich, ob sie die Luft beschreibt oder den Filter. PM-Werte ohne „e“ beschreiben Staub in der Luft, gemessen in Mikrogramm pro Kubikmeter. ePM-Werte mit Prozentangabe beschreiben, wie gut ein Filter arbeitet. Diese beiden Zahlen lassen sich nicht ineinander umrechnen und stehen in keinem festen Verhältnis zueinander.
Zweitens: Lies die Prozentzahl mit. „ePM1″ allein ist keine Klasse, sondern eine Gruppe. Erst „ePM1 50 %“ oder „ePM1 80 %“ ist eine Angabe, mit der du zwei Produkte vergleichen kannst. Fehlt die Zahl auf der Verpackung, fehlt die halbe Information.
Drittens: Vergleiche nur innerhalb einer Gruppe. Ein ePM10-Filter mit 90 Prozent ist nicht besser als ein ePM1-Filter mit 55 Prozent. Er löst eine leichtere Aufgabe. Wer die Gruppen ignoriert und nur auf die Prozentzahl schaut, entscheidet sich systematisch für den gröberen Filter. Die Systematik dahinter steht im Beitrag zu den Filterklassen nach ISO 16890.
Viertens: Erwarte keine ePM-Angabe bei Schwebstofffiltern. Luftreiniger tragen häufig Bezeichnungen wie H13, die aus einem anderen Prüfsystem stammen und nach der Partikelgröße mit der schlechtesten Abscheidung bewertet werden. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag: HEPA-Filter erklärt.
Fünftens: Pollen sind eine andere Größenordnung. Windbestäubte Pflanzenpollen erreichen laut einem Allergieinformationsdienst bis zu 60 Mikrometer – ein Vielfaches der PM10-Grenze. Was ein Pollenfilter deshalb leistet und was nicht, steht im Beitrag zu Pollenfiltern.
Kein Filter, sondern ein Anzeigegerät – für alle, die sehen wollen, wann in ihrer Wohnung überhaupt Staub anfällt, etwa beim Kochen oder Staubsaugen. Prüfe vor dem Kauf, welche Fraktionen das Gerät ausgibt. Über die Messgenauigkeit solcher Geräte können wir keine Aussage treffen, und ein angezeigter PM1-Wert hat in der amtlichen Systematik kein Gegenstück.
Häufige Fragen
Warum gibt es eine Filterklasse ePM1, wenn PM1 keine amtliche Größe ist?
Weil die beiden Systeme unterschiedliche Zwecke haben. Die amtliche Messung dient der Überwachung der Außenluft und stützt sich auf PM10 und PM2,5. Die Filternorm braucht eine Stufe, die feiner unterscheidet als PM2,5, um leistungsfähige Medien überhaupt gegeneinander abgrenzen zu können. ISO 16890 hat diese Stufe eingeführt. Das macht sie nicht amtlich, aber technisch sinnvoll.
Ist PM2,5 in PM10 enthalten?
Ja. Das Umweltbundesamt beschreibt PM2,5 ausdrücklich als eine Teilmenge der PM10-Fraktion. Der Bereich zwischen 2,5 und 10 Mikrometer heißt Grobfraktion. Eine PM10-Angabe schließt die feineren Teilchen also mit ein – man kann die beiden Zahlen nicht addieren.
Hält ein ePM1-Filter alle Partikel unter 1 Mikrometer zurück?
Nein, er hält den Anteil zurück, der in der Prozentzahl steht. „ePM1 50 %“ bedeutet die Hälfte dieser Fraktion, nicht alles. Die Gruppenbezeichnung sagt, worauf sich die Zahl bezieht, nicht dass die Fraktion vollständig entfernt würde.
Was ist mit ultrafeinen Partikeln?
Das Umweltbundesamt definiert sie als Teilchen mit weniger als 0,1 Mikrometer. Eine eigene Filterklasse dafür kennt ISO 16890 nicht. Wie sich Filtermedien in diesem Bereich verhalten, ist Gegenstand des Prüfsystems für Schwebstofffilter, das an der Partikelgröße mit der geringsten Abscheidung misst.
Fazit
PM10 und PM2,5 sind amtlich definiert, PM1 ist es nicht – und ausgerechnet PM1 ist die Fraktion, mit der die Filterbranche wirbt. Das ist kein Skandal, aber es ist der Grund, warum du eine ePM1-Angabe als Produktkennzeichnung lesen solltest und nicht als Umweltmesswert.
Praktisch brauchst du zwei Dinge: die Gruppe und die Prozentzahl. Alles andere – Vergleiche zwischen Gruppen, umgerechnete Werte, PM1-Zahlen aus Werbetexten – steht auf schwächerem Boden, als es aussieht.
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