Filterklassen nach ISO 16890 verstehen

Verfasst von

in

Auf der Filterpackung steht „ISO ePM1 60 %“, auf der alten Packung stand „F7″, und im Handbuch deines Lüftungsgeräts steht wieder etwas anderes. Du willst nur wissen, ob das Ding in dein Gerät passt und ob es genug leistet. Dieser Artikel erklärt, wie die Klassenbezeichnung nach ISO 16890 zustande kommt, warum ausgerechnet 50 Prozent die entscheidende Schwelle sind und warum die Norm den Filter vor der Prüfung absichtlich schlechter macht.

Das Wichtigste in Kürze

  • ISO 16890 kennt vier Gruppen: ISO Coarse, ISO ePM10, ISO ePM2,5 und ISO ePM1. Die Zahl dahinter ist der Wirkungsgrad in Prozent.
  • Die Zuordnung folgt einer einzigen Regel: Es zählt die kleinste Partikelgrößengruppe, die zu mindestens 50 Prozent ausgefiltert wird.
  • Der ermittelte Wirkungsgrad wird auf 5-Prozent-Schritte abgerundet. Aus 63 Prozent wird auf dem Etikett 60 Prozent.
  • Geprüft wird im konditionierten, also elektrostatisch entladenen Zustand – ausdrücklich gegen Manipulationen durch elektrostatische Aufladung.
  • Die vier Normteile wurden im Dezember 2016 veröffentlicht, die Koexistenzperiode mit der alten EN 779 endete am 30. Juni 2018.

Die kurze Antwort

Eine Filterklasse nach ISO 16890 besteht aus zwei Teilen: einer Gruppe und einer Prozentzahl. Die Gruppe sagt, auf welche Partikelgröße sich die Angabe bezieht – ISO Coarse für Grobstaub über 10 Mikrometer, ISO ePM10 für Partikel bis 10 Mikrometer, ISO ePM2,5 für Partikel bis 2,5 Mikrometer und ISO ePM1 für Partikel bis 1 Mikrometer. Die Prozentzahl sagt, welchen Anteil dieser Fraktion der Filter zurückhält. „ISO ePM1 60 %“ heißt also: Von den Partikeln bis 1 Mikrometer hält dieser Filter rund 60 Prozent zurück.

Je kleiner die Zahl im Gruppennamen, desto anspruchsvoller die Aufgabe. Ein ePM1-Filter arbeitet gegen die feinste der drei Fraktionen. Ein Fachportal beschreibt die Wirkungsgrade der drei ePM-Gruppen in einem Band von 50 bis 95 Prozent; ISO Coarse hat keine Mindestvorgabe. Belastbar im Sinne eines Normtextes ist diese Portalangabe nicht, sie deckt sich aber mit dem, was auf den Verpackungen im Handel steht.

Für dich als Käufer folgt daraus eine sehr praktische Regel: Vergleiche nur innerhalb derselben Gruppe. „ePM1 55 %“ und „ePM10 85 %“ lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen, weil sie über verschiedene Partikelgrößen sprechen. Und wenn auf deiner Packung noch F7 oder G4 steht, ist das kein Fehler des Händlers, sondern die alte Norm EN 779, die im Handel weiterlebt – was diese Buchstaben bedeuten, steht im Beitrag zu G4 und F7.

Wie es wirklich funktioniert

Vier Normteile, vier Aufgaben

ISO 16890 besteht laut dem Fachverband REHVA aus vier Teilen, die im Dezember 2016 veröffentlicht wurden. Teil 1 regelt die Klassifizierung, also genau das, was am Ende auf dem Etikett landet. Teil 2 beschreibt die Messung von Fraktionsabscheidegrad und Strömungswiderstand. Teil 3 behandelt die gravimetrische Prüfung für Grobstaub – dort wird gewogen statt gezählt. Teil 4 legt die Konditionierung mit Isopropanol fest. Dieser vierte Teil ist der interessanteste, dazu gleich mehr.

MANN+HUMMEL beschreibt den Unterschied zur Vorgängernorm in einem Satz: ISO 16890 testet zwölf verschiedene Partikelgrößen im Bereich von 0,3 bis 10 Mikrometer, während EN 779 nur eine einzige Partikelgröße von 0,4 Mikrometer geprüft hat. Aus zwölf Messpunkten entsteht eine Kurve, und aus dieser Kurve werden die drei ePM-Werte berechnet. Das ist der Grund, warum die neue Angabe mehr über den Alltag sagt: Sie bildet nicht einen Punkt ab, sondern einen Bereich.

Die 50-Prozent-Regel – das Herzstück

Die Zuordnung zu einer Gruppe klingt kompliziert, ist aber eine einzige Entscheidung. Ein Fachportal formuliert sie so: Die Filtergruppe beziehungsweise -klasse ergibt sich aus der kleinsten Partikelgrößengruppe, die zu mindestens 50 Prozent ausgefiltert wird. Der Filter wird also von unten nach oben abgeklopft. Schafft er bei PM1 die 50 Prozent, ist er ein ePM1-Filter. Schafft er sie erst bei PM2,5, ist er ein ePM2,5-Filter. Und wenn er nicht einmal bei PM10 auf 50 Prozent kommt, bleibt ISO Coarse.

Camfil rechnet das an einem Beispiel vor: Ein Filter erreicht 63 Prozent bei PM1, 70 Prozent bei PM2,5 und 91 Prozent bei PM10. Die kleinste Fraktion mit mindestens 50 Prozent ist PM1, also ist es ein ePM1-Filter. Die Prozentzahl auf dem Etikett wird auf 5-Prozent-Schritte abgerundet – aus 63 werden 60. Das Etikett lautet ISO ePM1 60 %.

Diese Abrundung erklärt eine Beobachtung, über die viele stolpern: Auf Filteretiketten stehen fast nur runde Zahlen. 50, 55, 60, 65, 70. Das ist kein Marketing, sondern die Rechenvorschrift. Und sie arbeitet immer zu deinen Gunsten – der reale Messwert liegt nie unter der aufgedruckten Zahl, sondern zwischen ihr und dem nächsten Schritt.

Warum der Filter vor der Prüfung entladen wird

Jetzt der Punkt, der die Norm interessant macht. Viele Filtermedien aus Kunststofffasern tragen eine elektrostatische Ladung. Geladene Fasern ziehen Partikel an, und ein frischer, gut geladener Filter misst sich dadurch hervorragend – nur hält die Ladung im Betrieb nicht. Sie baut sich ab, sobald sich Staub und Feuchtigkeit anlagern. Ein Filter, der im Labor glänzt, kann nach Wochen im Gerät deutlich schwächer arbeiten.

Deshalb schreibt die Norm die Konditionierung mit Isopropanol vor. Der Filter wird dem Alkohol ausgesetzt und verliert dabei seine elektrostatische Ladung. Erst danach wird gemessen. Ein Fachportal sagt ausdrücklich, dass die 50-Prozent-Schwelle für den konditionierten, also entladenen Zustand gilt, und zwar um Manipulationen durch elektrostatische Aufladung zu verhindern. Belegbar ist diese Erklärung über die Fachportalquelle, nicht über den Normtext selbst – die Aussage ist aber der Kern dessen, was ISO 16890 von EN 779 unterscheidet.

Für dich heißt das: Die Klassenangabe beschreibt nicht den besten Tag des Filters, sondern seinen ehrlichen Zustand. Das ist ungewöhnlich für eine Produktkennzeichnung und ein guter Grund, der Angabe zu trauen.

Was noch auf dem Etikett steht

Neben der Klasse findest du Angaben zum Druckverlust in Pascal. Der Hersteller EMW nennt als Normgrenzwerte für ISO 16890 200 Pascal für ISO Coarse und 300 Pascal für ISO ePM10, ePM2,5 und ePM1. Unter EN 779 lagen die entsprechenden Werte bei 250 Pascal für Grobstaubfilter und 450 Pascal für Medium- und Feinstaubfilter. Was diese Zahlen im Betrieb bedeuten und warum ein zugesetzter Filter besser filtert, aber mehr Druck kostet, steht im Beitrag zum Druckverlust.

Was belegt ist – und was nicht

Gut belegt. Die Veröffentlichung der vier Normteile im Dezember 2016 und ihre Aufgabenteilung gehen auf den Fachverband REHVA zurück. Das Ende der Koexistenzperiode am 30. Juni 2018 stammt aus einem VDMA-Dokument, das anschließend nur noch Filter vorsieht, die gemäß DIN EN ISO 16890 geprüft und bewertet sind. Das Rechenbeispiel mit 63, 70 und 91 Prozent und die Abrundung auf 5-Prozent-Schritte stammen von Camfil, also von einem Filterhersteller. Der Vergleich zwölf gegen eine Partikelgröße stammt von MANN+HUMMEL. Die Druckgrenzwerte stammen vom Hersteller EMW.

Schwächer belegt. Die Aufzählung der vier Gruppen mit dem Wirkungsgradband 50 bis 95 Prozent, die 50-Prozent-Zuordnungsregel und die Begründung der Konditionierung stammen aus einem Fachportal. Diese Angaben sind in der Branche unstrittig und decken sich mit den Herstellerangaben, aber es sind keine Normzitate. Wir haben den Normtext nicht vorliegen.

Nicht belegt. Wir können dir nicht sagen, welche Klasse dein konkretes Gerät verlangt – das steht in der Geräteunterlage des Herstellers und nirgends sonst. Ebenso wenig gibt es eine offizielle Umrechnung von den alten EN-779-Klassen in die neuen Gruppen. Der Fachverband FGK schreibt dazu, eine einfache begründete Übersetzung scheitere an der unterschiedlichen Bewertungsmethodik. Wer dir eine saubere Umrechnungstabelle verkauft, verkauft eine Orientierung – die Einordnung dazu steht unter Filterklasse umrechnen.

[ Produktbild wird über die Amazon-API geladen ]

Für alle, die eine Wohnraumlüftung betreiben und den Zuluftfilter nach der neuen Kennzeichnung nachkaufen wollen. Prüfe vor dem Kauf zwei Dinge: ob die Gruppenangabe zu der Stufe passt, die dein Gerätehersteller vorsieht, und ob das Außenmaß mit deinem bisherigen Filter übereinstimmt. Die Klassenangabe allein sagt nichts über die Passform.

Auf Amazon ansehen

Was das für dich heißt

Schritt eins: Lies die Angabe von links nach rechts. Zuerst die Gruppe, dann die Zahl. Die Gruppe sagt dir, worüber gesprochen wird, die Zahl sagt dir, wie gut. Wer nur die Zahl liest, hält einen ePM10-Filter mit 85 Prozent für besser als einen ePM1-Filter mit 55 Prozent. Das Gegenteil ist der Fall, denn der zweite bewältigt eine deutlich schwerere Aufgabe.

Schritt zwei: Nimm die Gerätevorgabe als Untergrenze, nicht als Vorschlag. Für die Zuluft in Wohnungslüftungsanlagen empfiehlt die FGK-Arbeitsgruppe Raumklimawirkung mindestens eine Filterstufe ePM1. Im VDMA-Dokument wird die VDI 6022 mit mindestens ISO ePM1 50 Prozent für die letzte Filterstufe wiedergegeben. Beides sind Verbandsangaben beziehungsweise die Wiedergabe eines Regelwerks durch einen Verband – die Normtexte selbst sind kostenpflichtig und lagen uns nicht vor. Was dein Gerät verträgt, entscheidet trotzdem die Geräteunterlage, denn eine höhere Klasse bedeutet auch mehr Widerstand.

Schritt drei: Verwechsle Klasse nicht mit Maß. Die häufigste Fehlbestellung ist nicht die falsche Klasse, sondern der falsche Zuschnitt. Klassenangabe und Außenmaß sind zwei unabhängige Angaben, und nur eine davon steht groß auf der Verpackung. Welche Filterarten es im Haushalt überhaupt gibt und wo sie sitzen, ordnet die Übersicht der Filterarten ein.

Schritt vier: Erwarte keine Angabe für alles. ISO 16890 gilt für Raumluftfilter. Ein Aktivkohlefilter trägt keine ePM-Klasse, weil er gegen Moleküle arbeitet und nicht gegen Partikel. Schwebstofffilter für Luftreiniger werden nach einem eigenen Verfahren geprüft und tragen Bezeichnungen wie H13 – dazu steht alles im Beitrag HEPA-Filter erklärt.

[ Produktbild wird über die Amazon-API geladen ]

Für die Abluftseite, auf der es um groben Staub geht und nicht um die feinste Fraktion. Prüfe vor dem Kauf, ob dein Gerät auf beiden Seiten dieselbe Klasse verlangt oder unterschiedliche – viele Anlagen tun das – und ob die Gruppe auf der Packung wirklich die ist, die du für diese Seite brauchst.

Auf Amazon ansehen

Häufige Fragen

Ist ein ePM1-Filter immer besser als ein ePM10-Filter?

Er filtert feinere Partikel, ja. Ob er für dein Gerät besser ist, ist eine andere Frage. Ein feinerer Filter setzt dem Luftstrom mehr Widerstand entgegen, und die zulässige Enddruckdifferenz gibt der Gerätehersteller vor. Halte dich an die Stufe, die für dein Gerät vorgesehen ist. Wer sie überschreiten will, sollte vorher wissen, wie sein Ventilator darauf reagiert.

Warum steht auf manchen Packungen gar keine ISO-Angabe?

Weil die alten Bezeichnungen im Handel weiterlaufen. Laut VDMA endete die Koexistenzperiode am 30. Juni 2018, aber Restbestände, Zubehörkataloge und Gerätehandbücher tragen die alten Klassen bis heute. Zehnder schreibt dazu, die neue Norm eliminiere vertraute Bezeichnungen wie F7 oder M5. Im Regal ist das noch nicht überall angekommen.

Was bedeutet das „e“ in ePM1?

Es steht für die Effizienz, also den Wirkungsgrad gegenüber dieser Partikelfraktion. PM1 ist die Fraktion, ePM1 ist die Leistung des Filters gegenüber dieser Fraktion. Wie die drei ePM-Gruppen sich zu den Feinstaubdefinitionen des Umweltbundesamts verhalten, steht im Beitrag zu ePM1, ePM2,5 und ePM10.

Gilt die Klassenangabe für die ganze Lebensdauer des Filters?

Nein, sie beschreibt einen Prüfzustand. Die BG ETEM beschreibt, dass mit der Befrachtung des Filters sowohl der Differenzdruck als auch der Wirkungsgrad steigen. Ein eingelaufener Filter trennt also tendenziell besser als ein neuer und kostet dabei mehr Druck. Die Klassenangabe ist der Vergleichsmaßstab beim Kauf, keine Momentaufnahme deines eingebauten Filters.

Fazit

ISO 16890 ist die seltene Produktkennzeichnung, die dem Hersteller das Schönrechnen erschwert: entladen prüfen, abrunden, die kleinste Fraktion entscheiden lassen. Wenn du Gruppe und Prozentzahl getrennt liest, hast du das System verstanden.

Die Grenze der Angabe liegt woanders. Sie sagt dir, wie gut ein Filter trennt – nicht, ob er in dein Gerät passt, und nicht, was dein alter F7-Filter im neuen System heißen würde. Diese zweite Frage hat keine saubere Antwort, und das ist keine Nachlässigkeit dieser Seite, sondern der Stand der Dinge bei zwei Verbänden.

Das könnte dich auch interessieren

G4, M5, F7: was die alten Filterklassen nach EN 779 bedeutenWeiterlesen →ePM1, ePM2,5 und ePM10: die drei Feinstaubklassen im VergleichWeiterlesen →Filterklasse umrechnen: EN 779 zu ISO 16890Weiterlesen →HEPA-Filter erklärt: H13, H14 und der Unterschied zu EPAWeiterlesen →

Transparenz: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten. Preise und Verfügbarkeit werden über die Amazon-API abgerufen und können sich ändern; es gilt der auf Amazon angezeigte Preis.