Auf der Verpackung deines Luftreinigers steht „HEPA“. Auf einem anderen Gerät steht „H13″, auf einem dritten „HEPA-ähnlich“ oder „True HEPA“. Alle drei klingen nach demselben, und mindestens einer davon sagt fachlich nichts aus. Dieser Artikel erklärt, welche Klassen es wirklich gibt, wo die Grenze zwischen EPA und HEPA verläuft, wie diese Filter geprüft werden – und warum wir dir zur rechtlichen Seite des Begriffs keine Auskunft geben können.
- E10, E11 und E12 sind EPA-Filter, nicht HEPA. Erst ab H13 ist die Bezeichnung HEPA fachlich gedeckt.
- H13 hält mindestens 99,95 Prozent zurück, H14 mindestens 99,995 Prozent – jeweils integral, also über den ganzen Filter gerechnet.
- Zusätzlich gilt eine lokale Durchlässigkeitsgrenze: höchstens 0,25 Prozent bei H13, höchstens 0,025 Prozent bei H14.
- Gemessen wird an der MPPS, der Partikelgröße mit der schlechtesten Abscheidung – typischerweise 0,1 bis 0,3 Mikrometer.
- Ob der Begriff „HEPA“ bei Konsumgeräten rechtlich geschützt ist, konnten wir nicht klären.
Die kurze Antwort
HEPA ist keine Marke und kein Qualitätssiegel, sondern eine Kategorie in der Klassifizierung von Schwebstofffiltern nach EN 1822 beziehungsweise ISO 29463. Diese Klassifizierung kennt drei Kategorien: EPA mit den Klassen E10 bis E12, HEPA mit H13 und H14, ULPA mit U15 bis U17. Ein Filter, der als E11 eingestuft ist, ist damit ausdrücklich kein HEPA-Filter – auch wenn er auf der Verpackung häufig in dessen Nähe gerückt wird.
Die Zahlen dahinter sind ungewöhnlich streng. H13 erreicht einen integralen Abscheidegrad von mindestens 99,95 Prozent, H14 mindestens 99,995 Prozent. Zum Vergleich: Ein sehr guter Raumluftfilter nach ISO 16890 bewegt sich im Bereich von 50 bis 95 Prozent. Das sind zwei völlig verschiedene Größenordnungen und zwei verschiedene Prüfsysteme – eine ePM1-Angabe und eine H13-Angabe lassen sich nicht ineinander umrechnen.
Und dann ist da die Frage, die dich beim Kauf am meisten betrifft: Darf ein Hersteller „HEPA“ auf sein Gerät schreiben, ohne den Filter nach EN 1822 prüfen zu lassen? Dazu haben wir keine belastbare Quelle gefunden. Wir wissen, was die Klassifizierung fachlich bedeutet. Ob die Verwendung des Begriffs bei Konsumgeräten rechtlich geregelt ist, konnten wir nicht klären. Das ist die ehrliche Antwort, und sie hat praktische Folgen – dazu unten mehr.
Wie es wirklich funktioniert
Die Klassen im Überblick
| Klasse | Kategorie | Abscheidegrad, integral | max. lokale Durchlässigkeit |
|---|---|---|---|
| E10 | EPA | ≥ 85 % | – |
| E11 | EPA | ≥ 95 % | – |
| E12 | EPA | ≥ 99,5 % | – |
| H13 | HEPA | ≥ 99,95 % | ≤ 0,25 % |
| H14 | HEPA | ≥ 99,995 % | ≤ 0,025 % |
| U15 | ULPA | ≥ 99,9995 % | ≤ 0,0025 % |
| U16 | ULPA | ≥ 99,99995 % | ≤ 0,00025 % |
| U17 | ULPA | ≥ 99,999995 % | ≤ 0,0001 % |
Zwei Zahlen statt einer: integral und lokal
Ab H13 gibt es nicht mehr nur eine Kennzahl, sondern zwei. Der integrale Abscheidegrad beschreibt den Filter als Ganzes. Die maximale lokale Durchlässigkeit beschreibt die schwächste Stelle. Bei H13 dürfen an keinem Punkt mehr als 0,25 Prozent durchgehen, bei H14 nicht mehr als 0,025 Prozent.
Diese zweite Zahl ist der eigentliche Qualitätssprung. Ein Filter mit hervorragendem Durchschnittswert und einem einzigen Leck wäre für den Einsatz in einem Reinraum wertlos – der Luftstrom nimmt bekanntlich den Weg des geringsten Widerstands. Die lokale Grenze schließt genau diesen Fall aus. Bei den EPA-Klassen E10 bis E12 gibt es keine solche Vorgabe.
Die MPPS – warum nicht bei einer festen Größe gemessen wird
Filter arbeiten nicht bei allen Partikelgrößen gleich gut. Große Teilchen bleiben mechanisch hängen, sehr kleine Teilchen bewegen sich unregelmäßig und stoßen dabei an Fasern. Dazwischen liegt ein Bereich, in dem beide Effekte schwach sind – das Effizienzminimum eines Filtermediums. Es heißt MPPS, Most Penetrating Particle Size, und liegt nach einer frei zugänglichen Fachdarstellung typischerweise bei 0,1 bis 0,3 Mikrometer.
EN 1822 misst genau an dieser ungünstigsten Stelle, nicht bei einer festen Partikelgröße. Das ist der Unterschied zu Prüfverfahren, die einen Punkt vorgeben. Es bedeutet auch: Ein H13-Filter erreicht seine 99,95 Prozent dort, wo er am schwächsten ist. Bei größeren und bei kleineren Partikeln liegt er darüber. Diese Logik ist verwandt mit der Zuordnungsregel bei Raumluftfiltern, wo die kleinste noch bestandene Fraktion den Namen gibt – nachzulesen im Beitrag zu den Filterklassen nach ISO 16890.
Stichprobe oder Einzelprüfung
Auch bei der Prüfung selbst verläuft die Grenze zwischen E12 und H13. EPA-Filter werden laut derselben Fachdarstellung stichprobenweise klassifiziert. HEPA- und ULPA-Filter werden einzeln geprüft. Jeder einzelne Filter durchläuft also die Messung, nicht nur ein Exemplar pro Charge. Das erklärt einen Teil des Preisunterschieds und ist der Grund, warum bei industriellen Filtern häufig ein Prüfprotokoll mit Seriennummer beiliegt.
Bei Konsumgeräten ist dieses Protokoll selten zu sehen. Ob es existiert, kannst du von außen nicht beurteilen – und genau hier setzt die Unschärfe der Begriffe an.
Was belegt ist – und was nicht
Gut belegt. Die Klassentabelle mit Abscheidegraden und lokalen Durchlässigkeiten, die Abgrenzung EPA gegen HEPA gegen ULPA, die Erklärung der MPPS und der Unterschied zwischen Stichprobe und Einzelprüfung stammen aus frei zugänglichen Fachdarstellungen zur EN 1822. Sie geben den Normstand wieder, sind aber selbst kein Normtext – der liegt uns nicht vor. Eine Behördenaussage gibt es ebenfalls: Das Umweltbundesamt schreibt zu mobilen Luftreinigern, mobile Filtergeräte sollten möglichst mit hocheffizienten Gewebefiltern der Filterklassen H13 oder H14 ausgestattet sein.
Nicht belegt – und das ist der entscheidende Punkt. Ob der Begriff „HEPA“ bei Konsumgeräten rechtlich geschützt ist, konnten wir nicht klären. Wir haben keine Quelle gefunden, die sagt, ob ein Hersteller diesen Begriff auch ohne Prüfung nach EN 1822 verwenden darf. Uns liegt lediglich ein Ratgeberportal vor, das vor der Formulierung „HEPA-ähnlich“ warnt – das ist eine Portalaussage ohne Rechtscharakter, und wir geben sie nur als solche wieder.
Daraus folgt eine Zurückhaltung, die wir für richtig halten: Wir sagen dir nicht, dass „HEPA“ auf einer Verpackung nichts wert ist. Und wir sagen dir auch nicht, dass es garantiert etwas bedeutet. Was wir sagen können, ist konkret genug – die Klassenangabe H13 oder H14 ist überprüfbar definiert, das Wort „HEPA“ allein ist es in unserer Quellenlage nicht.
Ebenfalls nicht belegt. Wir treffen keine Aussage darüber, was ein Filter dieser Klassen für deine Gesundheit bewirkt. Uns liegen Klassifizierungen und eine Empfehlung des Umweltbundesamts zur Ausstattung mobiler Filtergeräte vor – Wirkungsaussagen zu Personen gehören nicht dazu.
Für Besitzer eines Luftreinigers, die den Hauptfilter ersetzen statt reinigen wollen. Prüfe vor dem Kauf, ob das Ersatzteil für deine konkrete Gerätegeneration gelistet ist und ob es sich um den Hauptfilter oder um einen Vorfilter handelt – IQAir gibt für den Vorfilter ein Waschintervall an, für den Hauptfilter dagegen einen Austausch alle vier bis fünf Jahre.
Was das für dich heißt
Erstens: Such nach der Klasse, nicht nach dem Wort. „HEPA“ ist ein Oberbegriff, „H13″ ist eine Angabe mit definierten Grenzwerten. Steht auf einem Gerät nur „HEPA“, ohne Klasse, fehlt dir die überprüfbare Information. Steht dort E11, ist es fachlich ein EPA-Filter, kein HEPA-Filter, unabhängig davon, wie das Marketing es nennt.
Zweitens: Misstraue Wortkombinationen. Formulierungen wie „HEPA-ähnlich“, „HEPA-Typ“ oder „nach HEPA-Standard“ nennen keine Klasse. Ein Ratgeberportal warnt ausdrücklich vor der Formulierung „HEPA-ähnlich“ – eine belastbare Quelle ist das nicht, aber der sprachliche Befund ist eindeutig: Wo eine Klasse genannt werden könnte, wird sie hier vermieden.
Drittens: Denk an das Gehäuse, nicht nur an das Medium. Die lokale Durchlässigkeitsgrenze der Norm gilt für den Filter. Ob die Luft in deinem Gerät auch wirklich durch den Filter geht und nicht daran vorbei, ist eine Frage der Konstruktion und der Dichtung. Ein H13-Medium in einem undichten Rahmen ist eine Angabe ohne Wirkung. Achte beim Einsetzen darauf, dass der Filter sauber sitzt.
Viertens: Schwebstofffilter sind in der Regel nicht waschbar. IQAir schreibt für seinen Hauptfilter, dass er nicht waschbar ist und alle vier bis fünf Jahre ersetzt werden sollte, während Vorfilter alle zwei bis drei Monate oder bei sichtbarer Verschmutzung gewaschen werden. LG hält allgemein fest, dass einige Filter nicht mit Wasser gewaschen werden dürfen und in regelmäßigen Zyklen auszutauschen sind. Zu der Frage, wie stark der Abscheidegrad durch Waschen sinkt, liegt uns kein Prozentwert vor – die Einordnung dazu steht unter Filter waschen oder wechseln.
Fünftens: Ein Schwebstofffilter riecht nichts weg. Er arbeitet gegen Partikel. Gerüche sind Moleküle und werden von Aktivkohle adsorbiert, weshalb viele Luftreiniger beide Stufen enthalten – wie das funktioniert, steht im Beitrag zur Funktion von Aktivkohlefiltern. Welche Materialien welche Aufgabe übernehmen, zeigt der Materialvergleich.
Für alle, die beim Nachkauf eine benannte Klasse sehen wollen statt nur ein Kürzel im Produktnamen. Prüfe vor dem Kauf zwei Dinge: ob die Klasse ausgeschrieben angegeben ist – H13 oder H14, nicht bloß „HEPA“ – und ob die Bauform in dein Gerät passt. Ein Filter mit passender Klasse, aber falscher Kontur dichtet nicht ab, und dann ist die Klasse ohne Belang.
Häufige Fragen
Ist E11 fast so gut wie H13?
Der Zahlensprung sieht klein aus, ist es aber nicht. E11 verlangt mindestens 95 Prozent, H13 mindestens 99,95 Prozent – der durchgelassene Anteil unterscheidet sich um den Faktor hundert. Dazu kommt: Für E11 gibt es keine Grenze für die lokale Durchlässigkeit und keine Einzelprüfung. Es sind zwei verschiedene Kategorien, nicht zwei benachbarte Stufen derselben Kategorie.
Kann ich einen H13-Filter in meine Lüftungsanlage einbauen?
Das ist keine Frage der Filterklasse, sondern der Anlage. Schwebstofffilter erzeugen einen erheblichen Widerstand, und ob dein Ventilator dafür ausgelegt ist, entscheidet der Gerätehersteller. Für Wohnungslüftungen empfiehlt die FGK-Arbeitsgruppe Raumklimawirkung in der Zuluft mindestens eine Filterstufe ePM1 – das ist eine Angabe aus dem ISO-16890-System, nicht aus dem der Schwebstofffilter.
Warum steht auf meinem Staubsauger „HEPA“, obwohl er kein Prüfprotokoll hat?
Genau das ist die Frage, die wir nicht beantworten können. Ob die Verwendung des Begriffs bei Konsumgeräten an eine Prüfung nach EN 1822 gebunden ist, konnten wir nicht klären – dazu liegt uns keine belastbare Quelle vor. Was du prüfen kannst, ist, ob eine Klasse genannt wird. Fehlt sie, hast du nur ein Wort.
Was bedeutet „integral“ in der Tabelle?
Integral heißt: über den gesamten Filter gemittelt, im Gegensatz zur lokalen Messung an einzelnen Stellen. Ein Filter kann integral hervorragend abschneiden und trotzdem an einer Stelle zu viel durchlassen. Deshalb kennt die Norm ab H13 beide Werte, und deshalb ist die lokale Grenze der aussagekräftigere Teil der Angabe.
Fazit
HEPA beginnt bei H13. Alles darunter heißt EPA, auch wenn es auf der Verpackung anders klingt, und der Unterschied liegt nicht nur in einer Nachkommastelle, sondern in der lokalen Durchlässigkeitsgrenze und der Einzelprüfung jedes Filters.
Der Begriff selbst bleibt eine offene Flanke: Ob ein Hersteller ihn bei Konsumgeräten auch ohne Prüfung nach EN 1822 verwenden darf, konnten wir nicht klären. Solange das so ist, ist die ausgeschriebene Klasse die einzige Angabe, mit der du wirklich etwas anfangen kannst.
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