G4, M5, F7: was die alten Filterklassen nach EN 779 bedeuten

Verfasst von

in

In deinem Lüftungsgerät steckt ein Filter mit dem Aufdruck G4, im Handbuch steht F7, und im Onlineshop findest du beide Bezeichnungen neben Angaben, die völlig anders aussehen. Dabei ist die Norm, aus der G4 und F7 stammen, seit Jahren abgelöst. Dieser Artikel erklärt, was die Buchstaben und Ziffern bedeuten, wie sie gemessen wurden und warum sie trotz Ablösung überall stehen – im Handel, im Handbuch und auf dem Filter, den du morgen einbaust.

Das Wichtigste in Kürze

  • G4 und F7 stammen aus der EN 779:2012. Diese Norm kennt die Klassen G1 bis G4, M5 und M6 sowie F7, F8 und F9.
  • Zehnder schreibt, nach der alten Norm seien die Filtereigenschaften nur für die Partikelgröße 0,4 Mikrometer gemessen worden.
  • Die Norm wurde laut VDMA zum Juli 2018 abgelöst, die Koexistenzperiode endete am 30. Juni 2018.
  • Zehnder formuliert es deutlich: Die neue Norm eliminiere vertraute Bezeichnungen wie F7 oder M5.
  • Eine direkte Umrechnung in die neuen ISO-Gruppen gibt es nicht – vier unabhängige Quellen sagen das übereinstimmend.

Die kurze Antwort

G4 und F7 sind Filterklassen der alten europäischen Norm EN 779:2012. Der Buchstabe steht für die Kategorie, die Ziffer für die Stufe innerhalb dieser Kategorie. G stand für Grobstaubfilter mit den Stufen G1 bis G4, M für die Mittelstufe mit M5 und M6, F für Feinstaubfilter mit F7, F8 und F9. Innerhalb einer Reihe gilt: höhere Ziffer, feinere Abscheidung. G4 ist also der feinste Grobstaubfilter, F9 der feinste Feinstaubfilter dieser Norm.

In der Wohnungslüftung begegnen dir praktisch nur zwei davon. G4 sitzt üblicherweise auf der Abluftseite, wo grober Staub anfällt, F7 auf der Zuluftseite, wo die Außenluft ins Haus kommt. Diese Zuordnung „Zuluft F7, Abluft G4″ findest du überall – sie stammt allerdings aus einem Fachportal und ist kein Normzitat. Was dein Gerät verlangt, steht in der Geräteunterlage.

Und der wichtigste Punkt: Diese Bezeichnungen sind fachlich Geschichte. Seit Juli 2018 gilt ISO 16890, deren Klassen völlig anders aufgebaut sind. Dass G4 und F7 trotzdem auf jeder zweiten Packung stehen, liegt an Handbüchern, Ersatzteilkatalogen und Gewohnheit – nicht daran, dass die alte Norm noch gültig wäre. Wie das neue System funktioniert, steht im Beitrag zu den Filterklassen nach ISO 16890.

Wie es wirklich funktioniert

Eine einzige Partikelgröße

Der entscheidende Unterschied zwischen alt und neu steckt nicht in den Buchstaben, sondern im Prüfverfahren. Zehnder schreibt wörtlich, dass gemäß der alten Norm EN 779 die Filtereigenschaften nur für die Partikelgröße 0,4 Mikrometer gemessen wurden. MANN+HUMMEL stellt dasselbe als Gegenüberstellung dar: EN 779 testet nur eine Partikelgröße von 0,4 Mikrometer, ISO 16890 testet zwölf verschiedene Partikelgrößen von 0,3 bis 10 Mikrometer.

Das ist keine Kleinigkeit, sondern der Kern der Sache. Ein Filter ist keine Wand mit gleichmäßigen Löchern. Seine Abscheidung hängt von der Partikelgröße ab, und zwar nicht linear – es gibt Größenbereiche, in denen ein Medium besonders gut arbeitet, und einen Bereich, in dem es am schlechtesten arbeitet. Wer an genau einem Punkt misst, bekommt eine Zahl, aber keine Kurve. Zwei Filter mit identischer F7-Einstufung können sich bei 1 Mikrometer und bei 5 Mikrometer deutlich unterschiedlich verhalten, ohne dass die alte Klassenangabe das je sichtbar gemacht hätte.

Was die Buchstaben ordnen

Kategorie Klassen Typischer Einsatzort im Haushalt
Grobstaub (G) G1, G2, G3, G4 Abluftseite der Wohnungslüftung, Vorfilterstufe
Mittelklasse (M) M5, M6 Zwischenstufe, im Handel als Zuschnittware verbreitet
Feinstaub (F) F7, F8, F9 Zuluftseite, Außenluftfilterung

Die Klassenliste selbst ist gut dokumentiert, die Zuordnung zu den Einsatzorten stammt dagegen aus der Handelspraxis und aus Fachportalen. Nimm die rechte Spalte deshalb als Orientierung, nicht als Vorgabe.

Warum die alten Klassen nicht verschwinden

Für das Weiterleben von G4 und F7 gibt es drei nüchterne Gründe. Erstens: Geräte halten länger als Normen. Ein Lüftungsgerät, das 2014 eingebaut wurde, hat ein Handbuch mit F7 darin, und dieses Handbuch ändert sich nicht, weil eine Norm abgelöst wird. Zweitens: Ersatzteilnummern und Zubehörlisten sind über Jahre gewachsen und werden selten neu benannt. Drittens: Käufer suchen nach dem, was sie kennen. Ein Händler, der seine Zuschnittware nur noch als ISO ePM1 auszeichnet, wird von einem Teil seiner Kundschaft nicht mehr gefunden.

Anbieter von Zuschnittfiltern lösen das pragmatisch, indem sie beide Angaben nebeneinander drucken. FILTERCAPS etwa führt Klassen als G4, M5 und F7 mit einer ISO-Entsprechung daneben – eine Händlerangabe, keine Normübersetzung. Wie Meterware und Zuschnitt in der Praxis funktionieren, steht im Beitrag zu Filtermeterware.

Der Punkt, an dem es unangenehm wird

Wenn du einen F7-Filter ersetzen willst und im Regal nur ISO-Klassen findest, brauchst du eine Übersetzung. Genau die gibt es nicht. Der Fachverband FGK schreibt, eine einfache begründete Übersetzung von alten auf neue Klassen scheitere aufgrund der unterschiedlichen Bewertungsmethodik. Der VDMA formuliert, die Filterklassen der DIN EN 779 könnten wegen der unterschiedlichen Mess- und Bewertungsverfahren nicht unmittelbar in das Bewertungsschema der ISO-16890-Gruppen übernommen werden. MANN+HUMMEL nennt einen direkten Vergleich nicht möglich, und Zehnder begründet das damit, dass der neue Standard von der individuellen Beschaffenheit des einzelnen Filters abhängt.

Vier Quellen, eine Aussage. Trotzdem kursieren Tabellen, und einige davon stammen von Verbänden. Sie widersprechen sich im Detail. Diese Widersprüche und wie du damit umgehst, behandelt der Beitrag Filterklasse umrechnen ausführlich – das ist die eigentliche Fortsetzung dieses Artikels.

Was belegt ist – und was nicht

Gut belegt. Der Satz zur Messung bei einer einzigen Partikelgröße von 0,4 Mikrometer stammt von Zehnder und wird von MANN+HUMMEL bestätigt – beides Herstellerangaben. Die Ablösung der Norm zum Juli 2018 stammt vom VDMA. Auch die Aussage, dass die neue Norm vertraute Bezeichnungen wie F7 oder M5 eliminiert, ist ein Zehnder-Zitat. Die vier Aussagen zur fehlenden Umrechenbarkeit stammen von FGK, VDMA, MANN+HUMMEL und Zehnder, also von zwei Verbänden und zwei Herstellern.

Schwächer belegt. Die Klassenliste G1 bis G4, M5, M6 und F7 bis F9 stammt aus frei zugänglichen Zusammenstellungen, nicht aus dem Normtext. Die Zuordnung „Zuluft F7, Abluft G4″ ist eine Fachportalaussage – gebräuchlich, aber kein Normzitat und keine Herstellervorgabe für dein Gerät. Auch die Klassenangaben von Zuschnittanbietern sind Händlerangaben.

Nicht belegt. Wir haben den Wortlaut der EN 779 nicht vorliegen. Alle Angaben zu ihrem Inhalt stammen aus Sekundärquellen. Konkret fehlen uns damit die Abscheidegradgrenzen der einzelnen Klassen – wir nennen deshalb keine Prozentwerte für G4 oder F7. Wer solche Zahlen im Netz findet, sollte prüfen, woher sie stammen. Und es fehlt jede belegte Aussage darüber, wie lange die alten Bezeichnungen im Handel noch geführt werden.

[ Produktbild wird über die Amazon-API geladen ]

Für alle, deren Gerätehandbuch noch die alten Klassen nennt und die genau danach nachkaufen wollen. Prüfe vor dem Kauf, ob das Set beide Seiten deiner Anlage abdeckt oder nur eine, und ob das angegebene Maß zu deinem Gerät gehört. Der Hersteller Wolf weist darauf hin, dass bei Verwendung von Nicht-Originalteilen der Gewährleistungsanspruch erlischt – lies diese Klausel, bevor du dich entscheidest.

Auf Amazon ansehen

Was das für dich heißt

Erstens: Kauf nach Gerätevorgabe, nicht nach Norm. Wenn im Handbuch F7 steht, ist ein Filter mit dem Aufdruck F7 die konfliktärmste Wahl. Nicht weil die Norm gültig wäre, sondern weil du damit die Angabe erfüllst, auf die sich der Gerätehersteller bezieht. Das ist eine praktische Entscheidung, keine normative.

Zweitens: Achte auf Doppelkennzeichnung. Viele Verpackungen tragen heute beide Systeme. Steht dort „F7 / ISO ePM1 50 %“, dann hat der Anbieter eine Zuordnung vorgenommen. Behandle die ISO-Angabe als die belastbarere der beiden, denn sie beruht auf dem aktuellen Prüfverfahren. Die alte Angabe ist der Suchbegriff, die neue ist die Messung.

Drittens: Rechne nicht selbst um. Es ist verlockend, aus einer gefundenen Tabelle eine Entscheidung abzuleiten. REHVA sagt zu solchen Tabellen, sie könnten nur als grobe Orientierung dienen. Wenn du im Zweifel bist, frag beim Gerätehersteller nach, welche ISO-Gruppe er für deine Anlage vorsieht – das ist die einzige Auskunft, die für dein Gerät gilt.

Viertens: Denk an das Intervall, nicht nur an die Klasse. Die Klasse beschreibt, wie gut ein Filter trennt. Wie lange er das tut, hängt an ganz anderen Faktoren: Luftmenge, Standort, Staubfracht, Jahreszeit. Was die Standzeit tatsächlich bestimmt, ordnet der Beitrag zur Filterstandzeit ein.

Fünftens: Wenn du eine Zahl brauchst, nimm die neue. Die alten Klassen sagen dir, in welche Schublade ein Filter gehört. Die ISO-Angabe sagt dir, gegen welche Partikelfraktion er wie gut arbeitet. Was diese Fraktionen sind und wie sie sich zu den amtlichen Feinstaubdefinitionen verhalten, steht im Beitrag zu ePM1, ePM2,5 und ePM10.

[ Produktbild wird über die Amazon-API geladen ]

Für die gröbere Filterstufe, die in vielen Anlagen häufiger gewechselt wird als die feine. Prüfe vor dem Kauf, ob die Stückzahl zu deinem Wechselrhythmus passt und ob die Bauform – Kassette, Matte oder Taschenfilter – der entspricht, die bei dir eingebaut ist. Klassenangabe und Bauform sind zwei getrennte Fragen.

Auf Amazon ansehen

Häufige Fragen

Ist ein F7-Filter jetzt verboten?

Nein. Die Prüfnorm wurde abgelöst, nicht das Produkt. Laut VDMA endete die Koexistenzperiode am 30. Juni 2018, danach sollen Filter nach DIN EN ISO 16890 geprüft und bewertet sein. Für dich als Privatperson folgt daraus keine Pflicht. Ein Filter mit F7-Aufdruck ist ein Filter, dessen Kennzeichnung aus dem alten System stammt – mehr sagt das nicht.

Was ist der Unterschied zwischen M5 und F7?

Beide gehören zur alten Norm, F7 steht für eine feinere Abscheidung als M5. Genaue Prozentgrenzen nennen wir nicht, weil uns der Normtext nicht vorliegt. Wenn du eine Orientierung brauchst: Der Fachverband FGK ordnet M5 dem Bereich ePM10 ab 50 Prozent zu und F7 dem Bereich ePM1 ab 50 Prozent – als Orientierung, ausdrücklich nicht als Umrechnung.

Warum steht in meinem alten Handbuch F5, obwohl es diese Klasse angeblich nicht gibt?

F5 gehört zu einer noch früheren Fassung der Klassifizierung; in der EN 779:2012 heißt die entsprechende Stufe M5. Der Fachverband FGK gibt die DIN 1946-6 mit der Anforderung wieder, Luftfilter mindestens der Klasse F5 nach EN 779 oder Pollenfilter einzusetzen. Solche Altbezeichnungen halten sich in Regelwerken und Handbüchern hartnäckig.

Kann ich einen G4-Filter durch einen F7 ersetzen, um bessere Luft zu bekommen?

Technisch passt das oft, sinnvoll ist es nicht automatisch. Ein feinerer Filter erzeugt mehr Widerstand, und die zulässige Enddruckdifferenz gibt der Gerätehersteller vor. Die BG ETEM definiert diese Enddruckdifferenz als die vom Hersteller angegebene maximale zulässige Druckdifferenz, bei der der Filter spätestens getauscht werden soll. Wer die Stufe anhebt, verkürzt in der Regel das Intervall.

Fazit

G4 und F7 sind Bezeichnungen einer Norm, die seit Juli 2018 abgelöst ist – gemessen an einer einzigen Partikelgröße von 0,4 Mikrometer. Sie stehen weiterhin überall, weil Handbücher, Ersatzteillisten und Suchgewohnheiten länger leben als Normen.

Praktisch heißt das: Kauf nach der Angabe, die dein Gerätehersteller nennt, und behandle eine ISO-Angabe auf derselben Packung als die aussagekräftigere Zahl. Eine saubere Umrechnung zwischen beiden Systemen gibt es nicht, und zwei Verbände nennen dazu unterschiedliche Näherungen.

Das könnte dich auch interessieren

ePM1, ePM2,5 und ePM10: die drei Feinstaubklassen im VergleichWeiterlesen →Filterklasse umrechnen: EN 779 zu ISO 16890Weiterlesen →HEPA-Filter erklärt: H13, H14 und der Unterschied zu EPAWeiterlesen →Aktivkohlefilter: wie Adsorption funktioniertWeiterlesen →

Transparenz: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten. Preise und Verfügbarkeit werden über die Amazon-API abgerufen und können sich ändern; es gilt der auf Amazon angezeigte Preis.