Filtermaterialien im Vergleich

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Auf der einen Packung steht „Synthetikvlies“, auf der anderen „Glasfaser“, auf der dritten gar nichts außer einer Klassenangabe. Und in der Dunstabzugshaube liegt ein Metallgitter, das mit beidem nichts zu tun hat. Die Frage dahinter ist immer dieselbe: Macht das Material einen Unterschied, oder ist es nur ein Wort auf dem Karton? Dieser Artikel sortiert die fünf Materialien, die dir im Haushalt begegnen – und sagt bei jedem dazu, wie gut die Quellenlage ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Faserförmige Materialien – Vlies, Synthetik, Glasfaser – werden nicht über das Material bewertet, sondern über die Filterklasse. Die Norm fragt nach der Leistung, nicht nach dem Rohstoff.
  • Aktivkohle hat keine Filterklasse. Sie arbeitet über Adsorption gegen Moleküle, nicht gegen Partikel. Ein Nachschlagewerk nennt 10 bis etwa 20 Gewichtsprozent Anreicherung bis zum Durchbruch.
  • Metallgewebe ist das einzige Material mit belegten Reinigungsfristen: Bosch nennt mindestens alle zwei Monate, AEG etwa 40 Betriebsstunden.
  • ISO 16890 bewertet Faserfilter im konditionierten, also entladenen Zustand – ausdrücklich, um Manipulationen durch elektrostatische Aufladung zu verhindern.
  • Zur Frage, welches Fasermaterial besser abscheidet, liegt uns keine belastbare Quelle vor. Das ist die größte Lücke dieses Themas.

Die kurze Antwort

Bei Luftfiltern ist die Materialangabe nicht die entscheidende Information. Entscheidend ist die Klassenangabe. Die geltende Norm ISO 16890 bewertet, welchen Anteil einer Partikelfraktion ein Filter zurückhält, und stuft ihn danach in ISO Coarse, ISO ePM10, ISO ePM2,5 oder ISO ePM1 ein. Woraus das Medium besteht, spielt in dieser Bewertung keine Rolle. Zwei Filter aus unterschiedlichen Fasern mit derselben Klassenangabe sind im Sinn der Norm gleichwertig. Wie die Einstufung zustande kommt, steht unter Filterklassen nach ISO 16890.

Wirklich unterscheiden musst du drei Dinge, und die haben tatsächlich mit dem Material zu tun. Erstens: Arbeitet der Filter gegen Partikel oder gegen Moleküle? Faserfilter tun das Erste, Aktivkohle das Zweite. Zweitens: Ist das Bauteil zum Reinigen gedacht oder zum Ersetzen? Metallgewebe ist zum Reinigen gebaut, ein Faserfilter in aller Regel nicht. Drittens: Wie sichtbar ist der Verschleiß? Ein Faserfilter wird grau, ein Metallfilter fettig – und Aktivkohle sieht am letzten Tag aus wie am ersten.

Alles darüber hinaus – etwa die Frage, ob Glasfaser bei gleicher Klasse langlebiger ist als Synthetik – konnten wir mit den vorliegenden Quellen nicht beantworten. Wir schreiben es hier hin, statt es zu behaupten.

Wie es wirklich funktioniert

Faserfilter: die Klasse zählt, nicht der Rohstoff

Ein Faserfilter ist ein Gewirr aus dünnen Fäden, an denen Partikel hängen bleiben – durch Aufprall, durch Berührung oder weil sie klein genug sind, um durch Zufallsbewegung an eine Faser zu stoßen. Vlies, Synthetikmedien und Glasfaser sind alle Varianten dieses Prinzips, mit unterschiedlicher Faserdicke und Packungsdichte.

Wie gut das funktioniert, misst ISO 16890 seit Dezember 2016 über zwölf Partikelgrößen zwischen 0,3 und 10 µm – so beschreibt es der Filterhersteller MANN+HUMMEL im Vergleich zur Vorgängernorm. Die alte EN 779 maß laut Zehnder nur bei einer einzigen Partikelgröße von 0,4 µm. Die Klassenzuordnung folgt einem einfachen Prinzip, das ein Fachportal so wiedergibt: Die Filtergruppe ergibt sich aus der kleinsten Partikelgrößengruppe, die zu mindestens 50 % ausgefiltert wird. Effizienzen werden dabei auf 5-%-Schritte abgerundet – Camfil rechnet als Beispiel 63 % PM1, 70 % PM2,5 und 91 % PM10 zur Einstufung ePM1 60 %.

Ein Detail dieser Prüfung ist für die Materialfrage der interessanteste Punkt überhaupt: Die 50-%-Schwelle gilt im konditionierten, also entladenen Zustand. Ein Fachportal nennt den Grund ausdrücklich – so sollen „Manipulationen durch elektrostatische Aufladung“ verhindert werden. Ein Filtermedium kann also im Neuzustand besser abscheiden, als seine Klasse verspricht, und diesen Vorsprung im Betrieb verlieren. Welches Material sich wie stark auflädt, sagt die vorliegende Quelle nicht.

Hochabscheidende Faserfilter laufen unter einem eigenen Normenwerk. Dort erreichen H13 einen integralen Abscheidegrad von mindestens 99,95 %, H14 mindestens 99,995 %; die Klassen E10 bis E12 darunter sind EPA, nicht HEPA. Das Umweltbundesamt schreibt zu mobilen Luftreinigern: „Mobile Filtergeräte sollten möglichst mit hocheffizienten Gewebefiltern (Filterklassen H 13 oder H 14) ausgestattet sein.“ Die Einzelheiten stehen unter HEPA-Filter erklärt.

Aktivkohle: das Material ohne Klasse

Aktivkohle filtert nicht, sie adsorbiert. Gelöste und gasförmige Stoffe lagern sich an der großen inneren Oberfläche an – nach der vorliegenden Quelle unter anderem Geruchs- und Geschmacksstoffe, Halogenkohlenwasserstoffe, Pestizide und Chlor. Fett und Staub gehören ausdrücklich nicht dazu; sie verkleben die Poren. Deshalb sitzt im Dunstabzug immer ein Fettfilter davor.

Aus diesem Prinzip folgt, dass Aktivkohle keine Filterklasse trägt. Es gibt nichts, was die Norm messen könnte, denn sie bewertet Partikelabscheidung. Steht auf einem Kombiprodukt eine Klassenangabe, gehört sie zur Faserstufe. Die Kapazitätsgrenze beschreibt dieselbe Quelle mit Anreicherungen von 10 bis etwa 20 Gewichtsprozent, bevor es zum Durchbruch kommt – eine Materialangabe, kein Gerätewert. Mehr dazu im Beitrag zur Funktion von Aktivkohlefiltern.

Metallgewebe und Fettvlies: dasselbe Ziel, zwei Konzepte

In der Küche geht es nicht um Feinstaub, sondern um Fetttröpfchen. Metallgewebe ist dafür als dauerhaftes, reinigbares Bauteil ausgelegt, und hier ist die Herstellerlage ungewöhnlich gut: Bosch gibt an, den Fettfilter mindestens alle zwei Monate zu reinigen, AEG nennt „etwa 40 Betriebsstunden“ und empfiehlt für die Spülmaschine niedrige Temperatur im Kurzspülgang. AEG hält außerdem fest, dass eine Verfärbung nicht rückgängig gemacht werden kann, die Funktion aber erhalten bleibt.

Fettvlies ist dagegen ein Verbrauchsmaterial – und dort endet die Dokumentation. Wir haben von keinem Gerätehersteller eine Angabe zu Wechselintervall oder Sättigungsindikator gefunden. Der Vergleich der beiden steht im Detail unter Fettfilter aus Metall und Vlies.

Material Wirkt gegen Belegte Angabe
Vlies, Synthetik, Glasfaser Partikel Bewertung über ISO 16890 im entladenen Zustand; kein Materialvorzug belegt
Glasfaser in Hochleistungsstufen feinste Partikel H13 ≥ 99,95 %, H14 ≥ 99,995 %; UBA nennt für mobile Geräte H13/H14
Aktivkohle Moleküle, Gerüche 10 bis etwa 20 Gewichtsprozent bis zum Durchbruch; keine Filterklasse
Metallgewebe Fetttröpfchen Bosch: mindestens alle 2 Monate; AEG: etwa 40 Betriebsstunden
Fettvlies Fetttröpfchen keine Herstellerangabe gefunden

Was jedes Material kostet: Druck

Jedes Medium setzt der Luft Widerstand entgegen, und dieser Widerstand wird in Pascal gemessen. Die BG ETEM definiert die Anfangsdruckdifferenz als Wert im Neuzustand und die Enddruckdifferenz als „vom Hersteller angegebene maximale zulässige Druckdifferenz, bei der der Filter spätestens getauscht werden soll“. Für Grobstaubfilter nennt sie 30 bis 50 Pa am Anfang und 200 bis 300 Pa am Ende, für Feinstaubfilter 50 bis 150 Pa und 300 bis 500 Pa.

Dazu kommt ein Effekt, den die BG ETEM in einem Satz zusammenfasst: „Durch die Befrachtung des Filters steigen der Differenzdruck des Filters und der Wirkungsgrad.“ Ein zugesetzter Filter filtert also besser – und kostet mehr Druck. Deshalb ist der Materialstreit im Alltag zweitrangig gegenüber der Frage, wann getauscht wird.

Was belegt ist – und was nicht

Gut belegt. Das Bewertungssystem für Faserfilter stammt aus Norm- und Verbandsquellen sowie von Filterherstellern: die zwölf Partikelgrößen bei MANN+HUMMEL, die einzelne Partikelgröße 0,4 µm der alten EN 779 bei Zehnder, das Rechenbeispiel bei Camfil. Die Reinigungsfristen für Metallgewebe stammen aus den Anleitungen von Bosch und AEG. Die Druckwerte stammen von der BG ETEM, die Empfehlung H13/H14 für mobile Luftreiniger vom Umweltbundesamt.

Schwächer belegt. Das Zuordnungsprinzip der ISO-Gruppen und der Hinweis auf die Konditionierung gegen elektrostatische Aufladung stammen von einem Fachportal. Die Beschreibung der Adsorption und die Spanne von 10 bis 20 Gewichtsprozent stammen aus einem Nachschlagewerk. Beides ist fachlich unstrittig, aber keine Hersteller- oder Normzusage.

Nicht belegt – und das ist der Kern dieses Artikels. Zu der Frage, ob Glasfaser oder Synthetik bei gleicher Klassenangabe die bessere Wahl ist, liegt uns keine verwertbare Quelle vor: keine Standzeitangabe, kein Vergleichswert, keine Herstelleraussage. Ebenso wenig konnten wir belegen, um wie viel der Abscheidegrad sinkt, wenn ein waschbarer Filter gewaschen wird – dazu existiert kein Prozentwert. Und es gibt keine Zahl dafür, wie viel Mehrverbrauch ein zugesetzter Filter verursacht. Wer dir hier konkrete Prozentwerte nennt, hat sie nicht aus einer belastbaren Quelle.

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Für alle, die eine Wohnraumlüftung betreiben und Ersatz für die Faserstufe suchen. Prüfe vor dem Kauf, ob die angegebene Klasse zu der Bestückung passt, die der Gerätehersteller in seinen Unterlagen vorsieht – und ob die Angabe nach alter oder neuer Norm gemacht ist. Die Materialbezeichnung im Titel sagt wenig über die Leistung.

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Was das für dich heißt

Stell die Materialfrage hinten an. Bei einem Luftfilter interessiert zuerst die Klassenangabe, dann das Maß, dann der Preis pro Stück über ein Jahr gerechnet. Das Material ist ein Merkmal, keine Kennzahl. Wenn eine Produktseite mit dem Material wirbt und die Klasse verschweigt, fehlt die wichtigere Angabe.

Achte darauf, ob die Angabe alt oder neu ist. G4, M5 und F7 stammen aus der EN 779, die im Handel weiterlebt, obwohl sie zum Juli 2018 abgelöst wurde. ISO Coarse, ePM10, ePM2,5 und ePM1 sind die aktuellen Gruppen. Rechne sie nicht selbst um – eine offizielle Umrechnung gibt es nicht.

Frag beim Material nur, was das Material entscheidet. Nämlich: reinigen oder ersetzen. Metallgewebe reinigst du. Aktivkohle ersetzt du oder regenerierst sie, wenn der Hersteller das vorsieht. Faserfilter ersetzt du in der Regel – wobei einzelne Hersteller Ausnahmen machen. IQAir gibt für Vorfilter an, sie „alle 2-3 Monate oder wenn sie sichtbar schmutzig“ sind zu waschen, warnt aber, übermäßiges oder falsches Waschen könne die Leistung verringern; der HyperHEPA-Hauptfilter ist nicht waschbar. LG formuliert allgemein: „Einige Filter dürfen nicht mit Wasser gewaschen werden.“ Die Abwägung steht unter Filter waschen oder wechseln.

Beim Zuschnitt zählt die Klassenangabe doppelt. Es gibt Anbieter, die Meterware mit Klassenangabe führen – ein Anbieter nennt etwa G4, M5 und F7 mit ISO-Entsprechung. Ohne diese Angabe kaufst du ein Stück Vlies, über dessen Leistung nichts bekannt ist. Worauf sonst zu achten ist, steht unter Filter als Meterware.

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Für alle, die zusätzlich zur Partikelstufe eine Geruchsstufe im Lüftungsgerät fahren wollen. Prüfe vor dem Kauf, ob dein Gerät für eine Kohlestufe überhaupt vorgesehen ist und welche Klassenangabe für die Faserlage genannt wird – die Kohle selbst trägt keine, und ein zusätzlicher Widerstand im Luftweg ist eine Entscheidung, die zum Gerät passen muss.

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Häufige Fragen

Ist Glasfaser besser als Synthetik?

Wir wissen es nicht, und wir haben keine Quelle gefunden, die es belastbar beantwortet. Was wir wissen: Die Norm bewertet beide über dieselbe Prüfung und stuft sie nach Leistung ein, nicht nach Rohstoff. Zwei Filter derselben Klasse sind im Sinn der Norm gleichwertig. Wenn dir ein Anbieter einen Materialvorteil verspricht, frag nach der Klassenangabe und nach der Prüfgrundlage.

Warum hat mein Aktivkohlefilter keine Filterklasse?

Weil Filterklassen die Abscheidung von Partikeln beschreiben und Aktivkohle gegen Moleküle arbeitet. Es gibt schlicht nichts, was die Norm hier messen würde. Trägt ein Produkt mit Kohleanteil trotzdem eine Klassenangabe, bezieht sie sich auf die Faserlage im selben Rahmen.

Was bedeutet es, dass Filter „entladen“ geprüft werden?

ISO 16890 sieht eine Konditionierung des Filtermediums vor, bevor die Klassifizierung erfolgt. Ein Fachportal nennt als Grund ausdrücklich, dass Manipulationen durch elektrostatische Aufladung verhindert werden sollen. Praktisch heißt das: Die Klassenangabe beschreibt nicht den bestmöglichen Zustand eines fabrikfrischen Filters, sondern einen definierten Zustand ohne elektrostatischen Bonus.

Hält ein dickerer Filter länger?

Dazu liegt uns keine belegte Aussage vor. Belegt ist nur, dass der Widerstand mit der Beladung steigt und dass Hersteller eine maximal zulässige Enddruckdifferenz angeben.

Fazit

Für Luftfilter ist die Materialangabe die zweitwichtigste Information. Die wichtigste ist die Klasse – und zu der Frage, welches Fasermaterial bei gleicher Klasse vorn liegt, gibt es keine Quelle, die wir dir guten Gewissens weitergeben könnten.

Wo das Material wirklich entscheidet, ist die Handhabung: Metallgewebe wird gereinigt, Aktivkohle wird satt und ersetzt, Faserfilter werden getauscht. Wer diese drei Umgangsformen auseinanderhält, macht beim Kauf nichts falsch.

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