Pollenfilter: welche Klasse hält Pollen zurück?

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„Pollenfilter“ steht auf der Verpackung, und darunter eine Klassenangabe, die damit erst einmal nichts zu tun hat. Wenn du im Frühjahr Fenster und Lüftung anders bedienst als im Winter, willst du wissen, was so ein Filter technisch eigentlich zurückhält – und ob die Bezeichnung überhaupt etwas Definiertes bedeutet. Dieser Artikel bleibt streng bei dem, was belegt ist: bei Größenangaben, Filterklassen und Verbandsempfehlungen. Aussagen über gesundheitliche Wirkungen wirst du hier nicht finden, denn dafür haben wir keine tragfähige Grundlage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Windbestäubte Pflanzenpollen sind laut einem Informationsdienst bis zu 60 Mikrometer groß – ein Vielfaches der Feinstaubfraktionen, um die es bei Filterklassen sonst geht.
  • Der Begriff „Pollenfilter“ ist keine Filterklasse. Er taucht aber im Fachverbandstext zur DIN 1946-6 als Alternative zu einer Klassenangabe auf.
  • Die FGK Arbeitsgruppe Raumklimawirkung empfiehlt in der Zuluft mindestens eine Filterstufe ePM1 – deutlich mehr, als für Partikel dieser Größe nötig wäre.
  • Zu artspezifischen Pollengrößen – Birke, Gräser, Beifuß, Ambrosia – liegt uns keine belegte Angabe vor.
  • Dieser Artikel macht keine Aussage darüber, was ein Filter für dein Wohlbefinden bedeutet. Dazu gibt es hier keine belastbare Quelle.

Die kurze Antwort

Pollen sind für einen Luftfilter große Teilchen. Ein Informationsdienst zu Allergien gibt die Größe windbestäubter Pflanzenpollen mit bis zu 60 Mikrometer an. Zum Vergleich: Die Feinstaubfraktion PM10 umfasst nach Definition des Umweltbundesamtes Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser unter 10 Mikrometer. Pollen liegen also um ein Mehrfaches darüber – sie sind nicht das, was Filterklassen normalerweise fordert.

Trotzdem findest du auf Filtern für die Wohnraumlüftung selten die Angabe „Pollenfilter“ allein, sondern eine Klassenangabe wie F7 oder ePM1. Das hat einen Grund: „Pollenfilter“ ist kein genormter Begriff mit definierter Prüfung. Es ist eine Anwendungsbezeichnung. Die Klasse dagegen ist gemessen. Der Fachverband FGK gibt die Anforderung der DIN 1946-6 so wieder, dass „Luftfilter mindestens der Klasse F5 nach EN 779 oder Pollenfilter einzusetzen“ sind – die Norm selbst stellt die Anwendungsbezeichnung also gleichwertig neben eine Klasse, ohne sie zu definieren.

Wenn du eine Empfehlung suchst, die von einem Fachverband stammt: Die FGK Arbeitsgruppe Raumklimawirkung empfiehlt in der Zuluft mindestens eine Filterstufe ePM1. Diese Empfehlung zielt auf feine Partikel, nicht auf Pollen – wer ihr folgt, liegt bei der Pollengröße auf jeden Fall darüber. Was ein Filter für dich persönlich bedeutet, sagen wir nicht; das ist keine Frage, die wir aus Filterdaten beantworten können.

Wie es wirklich funktioniert

Die Größenordnungen nebeneinander

Ohne die Zahlen im Verhältnis ergibt keine Filterangabe Sinn. Das Umweltbundesamt definiert Schwebstaub als Teilchen in der Luft, „die nicht sofort zu Boden sinken“. PM10 sind „alle Staubpartikel, deren aerodynamischer Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer … ist“; diese Fraktion wird im Allgemeinen als Feinstaub bezeichnet. PM2,5 ist eine Teilmenge davon unter 2,5 Mikrometer, der Bereich dazwischen heißt Grobfraktion. Ultrafeine Partikel liegen unter 0,1 Mikrometer.

Größenangabe Wert Quelle
Windbestäubte Pflanzenpollen bis zu 60 µm Informationsdienst zu Allergien
PM10 (Feinstaub) unter 10 µm Umweltbundesamt
PM2,5 unter 2,5 µm, Teilmenge von PM10 Umweltbundesamt
Ultrafeine Partikel unter 0,1 µm Umweltbundesamt
Artspezifische Pollengrößen keine belegte Angabe

Ein Detail zur Messtechnik gehört dazu, weil es erklärt, warum diese Grenzen weicher sind, als sie aussehen: Der Messeinlass hat laut Umweltbundesamt „für einen aerodynamischen Durchmesser von 10 (PM10) bzw. 2,5 (PM2,5) Mikrometer … eine Abscheidewirksamkeit von 50 Prozent“. Die Zahl bezeichnet also einen Punkt, an dem die Hälfte durchgeht – keine scharfe Kante. Mehr dazu unter Feinstaub im Haushalt.

Beachte außerdem: PM1 ist keine amtliche Messgröße des Umweltbundesamtes. Der Ausdruck existiert im Haushaltskontext nur als Fraktion der Filternorm ISO 16890. Wenn auf einem Filter ePM1 steht, ist das eine Filterbewertung, keine Immissionsgröße. Die Unterschiede zwischen den drei ePM-Gruppen erklärt ePM1, ePM2,5 und ePM10.

Was die Filterklasse mit Pollen zu tun hat – und was nicht

ISO 16890 kennt vier Gruppen: ISO Coarse für Partikel über 10 µm, für die keine Mindestvorgabe besteht, sowie ISO ePM10, ISO ePM2,5 und ISO ePM1 mit Wirkungsgraden zwischen 50 und 95 %. Ein Fachportal beschreibt das Zuordnungsprinzip so: Die Filtergruppe ergibt sich aus der kleinsten Partikelgrößengruppe, die zu mindestens 50 % ausgefiltert wird. Damit ist auch klar, warum kein Hersteller eine Klasse „Pollen“ ausweisen kann – die Norm sieht keine solche Fraktion vor. Die Systematik im Ganzen steht unter Filterklassen nach ISO 16890.

Pollen mit bis zu 60 µm liegen oberhalb aller drei ePM-Fraktionen. Ein Filter, der ePM1 erreicht, wird nach der Norm zusätzlich an den gröberen Fraktionen gemessen – im Camfil-Rechenbeispiel liegen die Werte für PM2,5 und PM10 über dem für PM1. Ein feiner Filter ist also nicht schlechter bei groben Teilchen, sondern zusätzlich gut bei feinen. Auf welchen exakten Anteil ein bestimmter Filter Partikel von 60 µm zurückhält, sagt die Norm allerdings nicht: Für Teilchen dieser Größe gibt es keine eigene Bewertungsgruppe und für ISO Coarse ausdrücklich keine Mindestvorgabe.

Die alten Bezeichnungen, die im Handel weiterleben

Filter für Wohnungslüftungen werden häufig noch mit G4, M5 oder F7 verkauft. Das sind Klassen der EN 779, die zum Juli 2018 abgelöst wurde. Zehnder beschreibt den Unterschied so: Nach der alten Norm wurden „die Filtereigenschaften nur für die Partikelgröße 0,4 μm gemessen“. Und Zehnder hält fest: „Die neue Norm eliminiert vertraute Bezeichnungen wie beispielsweise F7 oder M5.“ Im Regal stehen sie trotzdem. Was die Buchstaben bedeuten, steht unter G4, M5 und F7.

Der naheliegende nächste Schritt – die alte Angabe in die neue umzurechnen – ist der Punkt, an dem es unsauber wird. Der Fachverband FGK schreibt: „Eine einfache begründete Übersetzung von alten auf neue Klassen scheitert aufgrund der unterschiedlichen Bewertungsmethodik.“ Der VDMA formuliert dasselbe für die Praxis. Es kursieren Orientierungstabellen, in denen F7 als ePM1 ≥ 50 % erscheint – REHVA sagt dazu, solche Tabellen „können nur als grobe Orientierung dienen“. Der VDMA nennt aus Vergleichstests für F7 dagegen Werte von ePM1 40 % bis 65 %, also teilweise unterhalb dieser Marke. Zwei Verbände, zwei Antworten. Die Einordnung dazu steht unter Filterklasse umrechnen.

Was belegt ist – und was nicht

Gut belegt. Die Feinstaubdefinitionen und die 50-Prozent-Abscheidewirksamkeit des Messeinlasses stammen vom Umweltbundesamt. Die Empfehlung „mindestens eine Filterstufe ePM1″ in der Zuluft stammt von der FGK Arbeitsgruppe Raumklimawirkung. Die Anforderung „mindestens der Klasse F5 nach EN 779 oder Pollenfilter“ ist die Wiedergabe der DIN 1946-6 durch ein FGK-Merkblatt – nicht der Normwortlaut selbst, denn die Norm ist kostenpflichtig und lag uns nicht vor. Ein über den VDMA referierter Wert aus VDI 6022 Blatt 1 nennt für die letzte Filterstufe mindestens ISO ePM1 50 %.

Schwächer belegt. Die Pollengröße von bis zu 60 Mikrometer stammt von einem Informationsdienst zu Allergien, nicht von einer Behörde und nicht aus einer Norm. Das Zuordnungsprinzip der ISO-Gruppen stammt von einem Fachportal. Die praxisübliche Bestückung „Zuluft F7, Abluft G4″ ist ebenfalls eine Fachportalaussage und kein Normzitat – belastbar im Sinn einer Herstellervorgabe ist sie nicht.

Nicht belegt. Artspezifische Pollengrößen für Birke, Gräser, Beifuß oder Ambrosia konnten wir nicht belegen – wer solche Zahlen nennt, hat sie nicht aus einer Quelle, die wir prüfen konnten. Ebenfalls nicht belegt ist ein Zusammenhang zwischen einer Filterklasse und dem Befinden von Menschen mit Pollenallergie. Dazu machen wir bewusst keine Aussage: Das ist eine medizinische Frage, keine filtertechnische, und sie gehört in ein ärztliches Gespräch, nicht in einen Filterratgeber.

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Für alle, die die Zuluftstufe ihrer Wohnraumlüftung ersetzen und dabei auf die feinere Filterstufe gehen wollen. Prüfe vor dem Kauf, ob eine Klassenangabe genannt ist und ob sie nach alter oder neuer Norm gemacht wurde – das Wort „Pollenfilter“ allein ist eine Anwendungsbezeichnung ohne definierte Prüfung. Und prüfe, ob dein Gerätehersteller diese Stufe in seinen Unterlagen vorsieht.

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Was das für dich heißt

Kauf nach Klasse, nicht nach Bezeichnung. „Pollenfilter“ sagt dir, wofür ein Produkt beworben wird. Die Klassenangabe sagt dir, was gemessen wurde. Fehlt die Klasse, fehlt die überprüfbare Information. Steht beides drauf, ist die Klasse die belastbarere Angabe.

Orientiere dich an der Verbandsempfehlung, wenn dein Gerät sie zulässt. Die FGK empfiehlt in der Zuluft mindestens eine Filterstufe ePM1. Das ist der Wert, den ein Fachverband nennt – nicht mehr und nicht weniger. Entscheidend ist zusätzlich, ob dein Lüftungsgerät für diese Stufe ausgelegt ist. Ein feinerer Filter setzt dem Luftstrom mehr Widerstand entgegen; was das Gerät verträgt, steht in seinen technischen Unterlagen.

Denk saisonal, aber wechsle nach Plan. Zehnder gibt für seine Geräte an, Filter „sollten alle sechs Monate ausgetauscht werden“, mit einer Sichtkontrolle alle drei Monate. Wenn du die Wechsel so legst, dass ein frischer Filter vor der Hauptbelastungszeit sitzt, nutzt du dieselbe Frist besser aus, ohne sie zu verkürzen. Was eine Standzeit sonst noch bestimmt, steht unter Filterstandzeit.

Rechne alte Angaben nicht selbst um. Wenn dein Gerät mit F7 bestückt war und du eine ISO-Angabe vor dir hast, gibt es keine offizielle Entsprechung. FGK und VDMA nennen unterschiedliche Näherungen. Im Zweifel gilt die Filtervariante, die der Gerätehersteller in seinen technischen Unterlagen aufführt.

Erwarte vom Filter nur das, was er misst. Ein Zuluftfilter behandelt die Luft, die durch das Gerät kommt. Was über ein offenes Fenster, über Kleidung oder die Wohnungstür hereinkommt, läuft an ihm vorbei. Das ist keine Schwäche des Filters, sondern eine Frage des Luftwegs.

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Für alle, die ein zentrales Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung betreiben und den Satz aus Zu- und Abluftfilter gemeinsam tauschen. Prüfe vor dem Kauf, ob die Baugröße zu deinem Gerät gehört und welche Klassen im Set enthalten sind – Zu- und Abluftseite werden häufig unterschiedlich bestückt, und der Hersteller nennt für sein Gerät eine eigene Filterfrist.

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Häufige Fragen

Gibt es eine Filterklasse speziell für Pollen?

Nein. Die geltende Norm kennt ISO Coarse, ISO ePM10, ISO ePM2,5 und ISO ePM1 – keine Pollenfraktion. „Pollenfilter“ ist eine Anwendungsbezeichnung. Bemerkenswert ist, dass sie trotzdem in einem Normzusammenhang auftaucht: Der Fachverband FGK gibt die Anforderung der DIN 1946-6 mit „mindestens der Klasse F5 nach EN 779 oder Pollenfilter“ wieder, ohne dass der Begriff dort definiert wäre.

Reicht ein grober Filter, weil Pollen doch so groß sind?

Die Größenangabe legt das nahe – bis zu 60 Mikrometer liegen weit über PM10. Belegen können wir es nicht: Für die Gruppe ISO Coarse gibt es nach der Norm keine Mindestvorgabe, und für Partikel dieser Größe existiert keine eigene Bewertungsgruppe. Die einzige Empfehlung eines Fachverbands, die uns vorliegt, geht in die andere Richtung – die FGK empfiehlt in der Zuluft mindestens ePM1.

Warum steht auf meinem Filter ePM1, obwohl PM1 keine amtliche Messgröße ist?

Weil ePM1 eine Bewertungsgruppe der Filternorm ISO 16890 ist und keine Immissionsgröße. Das Umweltbundesamt definiert PM10, PM2,5 und ultrafeine Partikel – eine PM1-Definition führt es nicht. Die Filternorm misst also eine Fraktion, für die es im amtlichen Messwesen keine Entsprechung gibt.

Hilft ein feinerer Filter bei meiner Allergie?

Diese Frage können wir aus Filterdaten nicht beantworten, und wir tun es deshalb nicht. Was wir sagen können, ist rein technisch: Ein Filter der Gruppe ePM1 scheidet feine Partikel nach Norm zu mindestens 50 % ab und wird zusätzlich an den gröberen Fraktionen gemessen. Alles, was darüber hinausgeht, ist eine medizinische Einschätzung und gehört in ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Fazit

„Pollenfilter“ ist ein Wort, keine Prüfung. Belastbar ist nur die Klassenangabe – und die Empfehlung der FGK, in der Zuluft mindestens eine Filterstufe ePM1 einzusetzen, ist die konkreteste Aussage eines Fachverbands, die wir dazu gefunden haben.

Wie eine Filterklasse sich auf dein Befinden auswirkt, steht in keiner der Quellen, die wir geprüft haben. Wir schreiben deshalb, was gemessen wird, und überlassen den Rest denen, die dafür zuständig sind.

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