Abluft nach draußen oder Umluft durch den Aktivkohlefilter zurück in die Küche – und irgendwo hast du gelesen, dass „4 Pascal gesetzlich vorgeschrieben“ seien, wenn ein Kamin oder eine Gastherme im Haus steht. Diese Zahl steht in keinem Gesetzestext. Was tatsächlich in der Musterfeuerungsverordnung steht, woher die 4 Pa kommen und warum die Umluft davon nicht betroffen ist, liest du hier. Das ist eine Wiedergabe des Rechtsstands, keine Rechtsberatung.
- Die Musterfeuerungsverordnung nennt in § 4 Abs. 2 keinen einzigen Druckwert. Sie formuliert ein Schutzziel und vier Erfüllungsvarianten – nicht drei, wie oft geschrieben wird.
- Die 8 Pa aus dem ZIV-Papier gelten dort ausdrücklich nur für raumluftunabhängige Feuerstätten für feste Brennstoffe. Es ist die einzige Druckangabe in diesem Dokument.
- Die 4 Pa sind ein Prüfwert des Schornsteinfegerhandwerks. Von dort wandern sie über die HEA in Herstelleranleitungen – Miele schreibt sie wörtlich in die Gebrauchsanweisung.
- Für die Umluft gilt das nicht: „gefahrlos und unterliegt nicht den obengenannten Vorschriften“, schreibt die HEA. Miele und eine Schornsteinfegerseite sagen dasselbe.
- Den Preis der Umluft beziffern die Hersteller nur qualitativ: Feuchte bleibt im Raum, das Gerät ist meist lauter, die Luftfördermenge sinkt.
Die kurze Antwort
Wenn in deiner Wohnung keine raumluftabhängige Feuerstätte steht – kein offener Kamin, kein Kaminofen, keine Gastherme mit Raumluftentnahme –, ist die Entscheidung eine reine Komfort- und Bauentscheidung. Abluft führt Feuchte und Geruch nach draußen, Umluft nicht; Umluft braucht dafür keine Wanddurchführung.
Steht dagegen eine raumluftabhängige Feuerstätte im selben Lüftungsverbund, greift bei Abluft ein Schutzziel aus der Feuerungsverordnung: Es darf kein gefährlicher Unterdruck entstehen. Erfüllt wird das über eine von vier genannten Varianten, und beurteilt wird es vom Bezirksschornsteinfeger bei Bauabnahme und Feuerstättenschau.
Bei Umluft entfällt diese Frage. Die HEA schreibt dazu: „Eine Dunstabzugshaube im Umluftbetrieb lässt sich in jedem Haus/in jeder Küche installieren.“ Was du dir dafür einhandelst, sind Feuchtigkeit im Raum, ein etwas lauteres Gerät und ein Aktivkohlefilter, der Geld und Aufmerksamkeit kostet.
Was belegt ist – und was nicht
Der Rechtstext nennt keine Zahl
Die Muster-Feuerungsverordnung formuliert in § 4 Abs. 2:
„Die Betriebssicherheit von raumluftabhängigen Feuerstätten darf durch den Betrieb von Raumluft absaugenden Anlagen wie Lüftungs- oder Warmluftheizungsanlagen, Dunstabzugshauben, Abluft-Wäschetrockner nicht beeinträchtigt werden. Dies gilt als erfüllt, wenn 1. ein gleichzeitiger Betrieb der Feuerstätten und der Luft absaugenden Anlagen durch Sicherheitseinrichtungen verhindert wird, 2. die Abgasabführung durch besondere Sicherheitseinrichtungen überwacht wird, 3. die Abgase der Feuerstätten über die Luft absaugenden Anlagen abgeführt werden oder 4. anlagentechnisch sichergestellt ist, dass während des Betriebes der Feuerstätten kein gefährlicher Unterdruck entstehen kann.“
Drei Befunde dazu, die in kaum einem Ratgeber stehen: In den §§ 3 und 4 dieser Verordnung kommt kein Pascal-Wert vor – weder 4 noch 8. In der Synopse zur Änderung von 2023 taucht „4 Pa“ ebenfalls nicht auf. Und der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger wird in § 4 gar nicht erwähnt. Der Text kennt ein Schutzziel und vier Wege, es zu erfüllen. Mehr steht dort nicht.
Die 8 Pa gelten für einen anderen Fall
Das Dokument, auf das sich fast alle Zahlenangaben berufen, heißt „Kriterien für die Beurteilung der Tauglichkeit und sicheren Benutzbarkeit von Feuerungsanlagen“, vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks – Zentralinnungsverband, Fassung 2011. Der Abschnitt 2.4.2 zu den raumluftabhängigen Feuerstätten wiederholt fast wörtlich den Text der Verordnung – und nennt keinen Zahlenwert. Er ergänzt nur Beispiele: Differenzdruckwächter, DVGW-TRGI, „ausreichend große Öffnungen ins Freie“.
Erst der folgende Abschnitt 2.4.3 nennt eine Zahl, und zwar für einen anderen Gerätetyp: „Die Betriebssicherheit von raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe, bei denen der zulässige Unterdruck im Aufstellraum auf 8 Pa begrenzt ist …“ Diese 8 Pa sind die einzige Druckangabe im ganzen Dokument. Wer sie als allgemeine Grenze zitiert, zitiert den falschen Absatz.
Woher die 4 Pa tatsächlich kommen
Die Zahl existiert – nur eben nicht im Gesetz. Sie ist ein Prüfwert, und ihr Weg lässt sich Station für Station belegen:
- Ein Fachportal schreibt: „Grundlage für die Durchführung eines 4-Pa-Tests bzw. eines 8-Pa-Tests sind die Arbeitsblätter des Bundesinnungsverbandes des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV).“
- Ein Merkblatt des ZIV von 2017 setzt für Systeme mit raumluftabhängigen Feuerstätten 4 Pa und für raumluftunabhängige 8 Pa „zwischen dem Freien und dem Aufstellraum“ an – als „Praxishilfe“ für bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger bei Bauabnahme und Feuerstättenschau.
- Ein Landesinnungsverband beschreibt die Messung: „Mit einem Messgerät ist es möglich, diesen Unterdruckgrenzwert von 4 Pa zu kontrollieren“, Messdauer fünf Minuten.
- Die HEA gibt die Anforderung weiter: bei gleichzeitigem Betrieb dürfe „ein Unterdruck von höchstens 4 Pa (0,04 mbar) nicht überschritten“ werden.
- Und von dort steht sie in Herstellerdokumenten. Miele schreibt in der Anweisung zu zwei Downdraft-Modellen: „Ein gefahrloser Betrieb ist möglich, wenn bei gleichzeitigem Betrieb von Dunstabzugshaube und raumluftabhängiger Feuerstätte im Raum oder Lüftungsverbund ein Unterdruck von höchstens 4 Pa (0,04 mbar) erreicht und damit ein Rücksaugen der Feuerstättenabgase vermieden wird.“
Das ist die ganze Kette: Schutzziel ohne Zahl im Rechtstext, Prüfwert im Handwerk, Weitergabe über den Fachverband, Übernahme in die Gebrauchsanweisung. Wer schreibt „4 Pa sind gesetzlich vorgeschrieben“, überspringt vier Stationen – unwichtig ist die Zahl deswegen nicht: Sie ist der Wert, an dem gemessen wird.
Was mit dem Schornsteinfeger wirklich gilt
Die HEA schreibt, die zulässigen Unterdruckverhältnisse „müssen vom zuständigen Schornsteinfeger geprüft und freigegeben werden“, an anderer Stelle: man „benötigt die Zustimmung eines autorisierten Schornsteinfegers“. Miele formuliert vorsichtiger: „Ziehen Sie dazu den Rat des zuständigen Kaminfegermeisters hinzu.“
Eine Rechtsnorm, die wörtlich eine Zustimmungspflicht des Schornsteinfegers für eine Dunstabzugshaube anordnet, konnten wir dagegen nicht finden. Belegt sind die materielle Anforderung in der Feuerungsverordnung, die Prüfzuständigkeit bei Bauabnahme nach Landesrecht und bei der Feuerstättenschau sowie die Empfehlung von Verband und Hersteller. Praktisch heißt das: Der Schornsteinfeger muss die Anlage bei Bauabnahme und Feuerstättenschau beurteilen; ohne seine Freigabe gilt die Kombination als nicht abgenommen. Die Landesfassungen der Feuerungsverordnung lagen uns nicht im Wortlaut vor – nur die Musterfassung.
Umluft: gefahrlos, aber nicht umsonst
Der Satz, der die Umluft aus der Debatte heraushält, steht bei der HEA: „Der Betrieb der Haube als Umluftgerät … ist gefahrlos und unterliegt nicht den obengenannten Vorschriften.“ Miele sagt es für ein konkretes Gerät: „Wird die Dunstabzugshaube im Umluftbetrieb eingesetzt, wobei die Luft in den Aufstellungsraum zurückgeführt wird, ist der gleichzeitige Betrieb einer raumluftabhängigen Feuerstätte unbedenklich.“ Und eine Schornsteinfeger-Betriebsseite nennt als erste Lösung „eine Dunstabzugsanlage …, die nur im Umluftbetrieb arbeitet“. Verband, Hersteller, Handwerk – drei unabhängige Quellenklassen, dieselbe Aussage.
Was die Umluft kostet, sagen die Hersteller ebenfalls, aber nur qualitativ:
- Feuchtigkeit bleibt im Raum. HEA: „Feuchtigkeit, die beim Kochen entsteht, wird nur zu einem geringen Teil von Fett- und Geruchsfilter aufgenommen.“ Electrolux: „Feuchtigkeit muss durch zusätzliches Stosslüften entfernt werden“.
- Lauter. Electrolux: „Meist lauter als Ablufthauben“. Neff: im Umluftbetrieb sind Hauben „in der Regel etwas lauter“. Das ist eine Aussage über die Betriebsart, nicht über einen vollen Filter – der Unterschied steht im Beitrag zu Filterzustand und Lautstärke.
- Weniger Luftfördermenge. Electrolux: „Luftfördermenge wird durch den Aktivkohlefilter reduziert“. Die HEA empfiehlt deshalb einen „Sicherheitszuschlag“. Die kursierende Zahl „bis zu 40 Prozent Leistungsverlust“ stammt aus einem Fachportal, nicht von einem Hersteller – kein Herstellerdokument beziffert den Verlust.
- Ein Vorteil, den Neff selbst nennt: „Kein Wärmeverlust im Winter, da die Raumluft erhalten bleibt.“
Eine Behauptung gehört ausdrücklich widerlegt: dass im Umluftbetrieb zu wenig Zuluft für bleibenden Geruch sorge. Alle Hersteller- und Verbandsquellen setzen Zuluft ausschließlich in den Zusammenhang von Abluftbetrieb und raumluftabhängiger Feuerstätte. Bosch schreibt: „Immer für ausreichend Zuluft sorgen, wenn das Gerät im Abluftbetrieb gleichzeitig mit einer raumluftabhängigen Feuerstätte verwendet wird.“ Das ist eine Sicherheitsregel, keine Geruchsregel – was bei bleibendem Geruch belegt ist, steht im Beitrag Geruch bleibt trotz Filter.

Für alle, die sich für den Umluftbetrieb entscheiden – ohne Geruchsfilter arbeitet diese Betriebsart nicht. Achte darauf, ob das Angebot deine Baureihe namentlich nennt oder Universalware ist: Bei Zuschnitt- und Universalfiltern ist die Maßangabe eine Obergrenze, keine Passformzusage.
Abluft: was technisch dazugehört
Entscheidest du dich für Abluft und hast eine raumluftabhängige Feuerstätte, nennt die HEA drei Lösungen: Abluft-Zuluft-Mauerkästen, einen Luftdruckwächter, der „die Haube abschalten [kann], wenn der Unterdruck 4 Pa überschreitet“, und Fensterkontaktschalter. Für letztere verlangt die HEA ein „Ü-Prüfzeichen des Deutschen Instituts für Bautechnik“. Welche Bauteile dieses Zeichen tragen, konnten wir nicht prüfen – die Verzeichnisseite des Instituts war nicht erreichbar. Diese Lücke musst du über den Hersteller des Bauteils schließen.
Zwei weitere Punkte: Die HEA schreibt, in „einen aktiven Rauch- bzw. Abgasschornstein oder einen Entlüftungsschacht darf die Abluft nicht eingeleitet werden“. Und eine ältere AEG-Anleitung nennt als einzige Quelle dieser Recherche einen Zuluftquerschnitt – rund 500 bis 600 cm² – mit der Warnung: „Bei Nichtbeachtung dieser Grundsätze muß mit drastischen Leistungsverlusten und erhöhten Betriebsgeräuschen gerechnet werden.“ Diese Angabe stammt aus einem Anleitungsarchiv und aus einem einzigen Dokument; ein zweiter Herstellerbeleg dafür liegt uns nicht vor.

Für alle, die im Abluftbetrieb die Wanddurchführung erneuern oder nachrüsten. Prüfe vorher, welcher Rohrdurchmesser an deiner Haube sitzt und ob die Bauart zu deiner Wand passt.
Der Mindestabstand: vier Hersteller, vier Zahlen
Der Abstand zur Kochstelle steht in jeder Montageanleitung – und ausgerechnet hier gibt es keinen allgemeinen Wert:
| Abstand | Gilt laut Dokument für | Quelle |
|---|---|---|
| 450 mm | Elektro-Kochstelle | Miele, Anweisung DA 4208V D / DA 4248V D |
| 500 mm | Elektro | Bauknecht/Whirlpool, Anleitung über ein Händlerarchiv |
| 550 mm | „zwischen Elektrokochstellen und Unterkante der Dunstabzugshaube“ | Neff D9622N0 / D9922N0 |
| 650 mm | Glaskeramik- und Gusskochplatten | NEG-Novex CH 16060 SGB, Anleitung über ein Archiv |
| 650 mm | mehrflammige Gas-Kochstelle bis 12,6 kW | Miele DA 4208V D |
| 760 mm | Gas über 12,6 bis 21,6 kW | Miele DA 4208V D / DA 6066 W |
Die HEA nennt als Spanne „45–65 cm“, Electrolux 40 bis 75 cm und für Deckenlüfter 1500 mm. Und die HEA ergänzt: Hauben, „die sich bei Bedarf tiefer, z. B. auf 30 cm, zur Kochstelle herunterziehen lassen, dürfen nicht über Gas-Kochstellen eingesetzt werden“. Bosch verzichtet in einer ganzen Baureihe auf jede Zentimeterangabe und schreibt nur: „Sicherheitsabstände zum Kochfeld einhalten.“ Verbindlich ist deshalb immer die Anleitung deines Geräts, bei Gas zusätzlich die Leistungsklasse des Kochfelds. Wie man Filter und Einbauöffnungen richtig aufnimmt, steht im Beitrag zum Filter ausmessen.
Häufige Fragen
Brauche ich für die Umluft eine Genehmigung?
Aus den geprüften Quellen ergibt sich keine. Die HEA schreibt, der Umluftbetrieb sei „gefahrlos“ und unterliege „nicht den obengenannten Vorschriften“. Ob in deinem Fall etwas zu beachten ist, sagt dir dein Bezirksschornsteinfeger.
Kann ich von Abluft auf Umluft umstellen?
Nicht in jedem Fall. AEG schreibt ausdrücklich, dass nicht jede Haube umgerüstet werden kann. Neff formuliert es weicher: „in vielen Fällen lässt sich eine Abluft Dunstabzugshaube nachträglich auf Umluftbetrieb umrüsten“ – und verlangt dafür ein Starterset. Details im Beitrag Umluftmodul nachrüsten.
Wann brauche ich überhaupt einen Aktivkohlefilter?
Nur im Umluftbetrieb. AEG schreibt: „Bei Abluftbetrieb … ist kein Kohlefilter nötig!“, Bosch umgekehrt: „Um die Gerüche im Umluftbetrieb zu binden, müssen Sie einen Geruchsfilter einbauen.“ Die Gegenüberstellung steht im Beitrag Wann ein Aktivkohlefilter nötig ist.
Muss ich im Umluftbetrieb den Fettfilter anders behandeln?
Er wird wichtiger. Die HEA schreibt: „Ein guter, sauberer Fettfilter muss dem Geruchsfilter vorgeschaltet sein.“ Was die Hersteller zur Reinigung sagen, steht im Beitrag Fettfilter in der Spülmaschine, die übrigen Punkte in der Wartungs-Checkliste.
Fazit
Solange keine raumluftabhängige Feuerstätte im Spiel ist, ist die Wahl zwischen Umluft und Abluft keine Rechtsfrage. Ist eine im Spiel, entscheidet nicht eine Zahl aus dem Internet, sondern die Beurteilung deines Bezirksschornsteinfegers: Die 4 Pa sind sein Prüfwert, nicht der Wortlaut eines Gesetzes, und die 8 Pa gehören zu einem anderen Feuerstättentyp.
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